Sport : Spiel, Satz, Niederlage?

Bei den German Open 2003 starten wieder Top-Stars – es könnte ihr letzter Auftritt in Berlin werden

Frank Bachner

Berlin. Eberhard Wensky saß im Dachgarten eines ziemlich teuren Hotels und war für die guten Nachrichten zuständig. Das war eindeutig der beste Part, und er war auch nicht sonderlich schwer. Wensky ist Turnierdirektor der German Open in Berlin, dem größten Frauen-Tennis-Turnier in Deutschland, und er musste nur aufzählen, welche Stars vom 5. bis 11. Mai in Berlin antreten. Serena Williams zum Beispiel, die vier Grand-Slam-Turniere in Folge gewonnen hat, die Weltranglisten-Erste, die im Jahr 2003 noch unbesiegt ist. Oder Justin Henin-Hardenne, die Siegerin der German Open 2002 und Weltranglisten-Dritte. Kim Clijsters aus Belgien kommt auch, die Frau, die Serena Williams 2002 in Los Angeles ausnahmsweise mal besiegt hat. Oder auch Jennifer Capriati, die Weltranglisten-Fünfte. Und Martina Navratilova will auch wieder in Berlin auftreten, die Altmeisterin, die ein Doppel bestreiten wird. Wensky sagte: „Berlin ist eines der ganz großen Highlights der Welt-Frauentennistour.“ Zweifellos.

Aber Jan Kohne saß auch in diesem Dachgarten, und er hatte den eindeutig schlechteren Part. Er war für die düsteren Aussichten zuständig. Und Kohne hatte bei sich „Bauchweh“ geortet beim „Gedanken an die Zukunft des Turniers“. Das kann man sich leicht vorstellen. Schließlich ist Kohne Geschäftsführer der Holding des Deutschen Tennisbundes (DTB), der dieses Turnier veranstaltet. Aber die German Open 2003 werden nur von Eurosport live übertragen, die ARD ist ausgestiegen, und der Regionalsender Rundfunk Berlin-Brandeburg (RBB), der Zusammenschluss zwischen SFB und ORB, bringt nur Kurzberichte. Das ist zu wenig, um Sponsoren bei einem Vier-Millionen-Dollar-Turnier zu halten. Deshalb sagt Kohne: „Ohne bundesweite Präsenz ist das Turnier langfristig nicht zu halten.“ Schon 2004 wohl nicht, in dieser Form jedenfalls. Ein Hauptsponsor hat signalisiert, dass er 2004 aussteigen werde, wenn das Fernsehen weg bliebe.

Am Dienstag war eine Abordnung des DTB und des Vermarkters IMG bei Sportsenator Böger. Die Politik soll jetzt die TV-Verantwortlichen umstimmen. Und notfalls sollen, der Gedanke steht bei DTB und IMG im Raum, auch Steuergelder eingesetzt werden. „Die Intendantin des RBB wird sich von der Landesregierung nicht überreden lassen“, sagt Jochen Sprentzel, der Fernseh-Sportchef des Regionalsenders RBB. Und selbst wenn: Wichtig für IMG ist die ARD, kein Regionalprogramm. Nur: „Die ARD wird kurzfristig keinen TV-Vertrag mit dem DTB machen“, sagt Sprentzel. Und für 2004? Kommt darauf an. „Es fehlt eine deutsche Persönlichkeit.“ Die Anmeldefrist fürs Turnier 2004 endet in ein paar Monaten. Bis dahin muss eine deutsche Top-Spielerin auftauchen. Wenn nicht? Dann sieht’s ziemlich düster aus.

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