Sport : Spielabbrüche in Velten und Hohenschönhausen

Claus-Dieter Steyer

Berlin/Velten - In der 75. Minute war am Sonntag in Hohenschönhausen bereits Schluss. Der Schiedsrichter musste das B-Juniorenspiel BFC Dynamo II gegen SG Anadoluspor abbrechen. Wegen Ausschreitungen auf und neben dem Platz, wie er im Spielbericht vermerkte. Vor der Kabine ging es dann weiter. „Vier Spieler von Anadoluspor haben auf einen meiner Spieler eingeschlagen“, sagte Dynamo-Trainer Marco Schumacher. Sie seien vorher von Dynamo-Spielern und deren Eltern „rassistisch beleidigt“ worden, sagte Engin Dogan, der Trainer von Anadoluspor. Einer seiner Spieler sei sogar mit einem spitzen Regenschirm am Hals getroffen worden. Die alarmierte Polizei nahm anschließend nur gegen vier Anadoluspor-Spieler Anzeigen wegen Körperverletzung auf. Beim Berliner Fußball-Verband will man zunächst den Sonderbericht des Schiedsrichters abwarten, sagte BFV-Sprecher Frank Schlüter.

Zu einem weiteren Spielabbruch kam es beim Landesligaspiel zwischen SC Oberhavel und Stahl Brandenburg in Velten. Einige der 100 Anhänger von Stahl Brandenburg hatten kurz vor Spielschluss beim Stand von 0:0 das Feld gestürmt. Einer von ihnen streckte Schiedsrichter Jörn Springer mit einem Faustschlag nieder. Die Polizei musste kommen, um den Unparteiischen vor weiteren Attacken zu schützen. „Unter unseren Anhängern befinden sich einige Heißsporne“, sagte Stahl-Präsident Wolfgang Juchert. Doch beim Spiel gegen Velten habe der Schiedsrichter mit einer „völlig unangemessenen Leistung“ die Atmosphäre aufgeheizt. Nach Augenzeugenberichten hatten Brandenburger Anhänger schon zehn Minuten vor dem Abbruch Bierbecher aufs Spielfeld geworfen. Als der Schiedsrichter dann Trainer und Assistenztrainer der Gastmannschaft wegen lautstarker Meckerei auf die Tribüne verwies, eskalierte die Situation.

Veltens Präsident Andreas Noack hält die Sicherheitsvorkehrungen für ausreichend. Acht Ordner seien eingeteilt gewesen. Er selbst habe versucht, sich dem Angreifer entgegenzustellen. Bei den Stahl-Anhängern, die den Platz stürmten, habe es sich nicht um Jugendliche gehandelt. „Den Herren hätte man das gar nicht zugetraut“, sagte Noack. „Selbst die Trainer haben sich nach dem Spiel nicht beim Schiedsrichter entschuldigt, sondern weiter geschimpft.“

Nun wird sich das Sportgericht des Brandenburger Landesverbandes mit den Vorkommnissen beim Spiel der Landesliga befassen. Beim Verband hält man den Spielabbruch für eine „einmalige Ausnahme“. In den unteren Spielklassen habe es bislang keine Auffälligkeiten gegeben, sagte Geschäftsführer Michael Hillmann. (mit tk)

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