Sport : Spieler, ärgere dich

Herthas Stürmer Wichniarek wollte in die Champions League – und läuft in der Oberliga auf

André Görke

Berlin. Vor einigen Tagen saß Artur Wichniarek neben einer Topfpflanze und blätterte in einer Zeitschrift. Dort oben, in der dritten Etage der Geschäftsstelle von Hertha BSC, befindet sich das Büro vom Manager, und der wollte mit Wichniarek reden. „In aller Ruhe“, sagt Dieter Hoeneß. Vorher nämlich war der Manager lauter geworden und hatte seinem Stürmer vor versammelter Mannschaft „einige Takte“ (Hoeneß) gesagt.

Die Nachrichtenlage könnte ruhiger sein bei Hertha. Immerhin hat der Sieg am vergangenen Wochenende in Hannover den Berlinern ein wenig Luft im Abstiegskampf verschafft. Am Samstag spielt Hertha im Olympiastadion gegen den VfL Bochum, „wir müssen den positiven Trend bestätigen“, fordert Hoeneß. Dass Artur Wichniarek seinen Teil dazu beitragen kann, danach sieht es allerdings nicht aus, sagt Hoeneß. Trainer Hans Meyer habe ihm mitgeteilt, dass er den Stürmer für die Amateurmannschaft vorgesehen habe. Wichniarek wird also am Wochenende nicht gegen Bochum spielen, sondern Motor Eberswalde. In der viertklassigen Oberliga. Nordstaffel.

Als Hoeneß über die Degradierung seines Stürmers redete, rannte der noch über den Trainingsplatz. Es war sehr still dort an diesem Mittag. Kein Fan stand hinter der Werbebande, und als Wichniarek den Ball aus drei Metern ins leere Tor schaufelte, war niemand da, der klatschen wollte. Die Kollegen standen seit einer halben Stunde unter der Dusche. Wichniarek sagt, dass „er ein Zwicken spürt“. Mal zwickt der Rücken, dann die Wade, eigentlich zwickt bei ihm alles seit vier Wochen, und es will nicht aufhören. „Wir warten alle darauf, dass er endlich zurückkehrt“, sagt Hoeneß.

Für Wichniarek verlief die Saison schlecht, vielleicht noch schlechter als für den Klub. Er kam mit großen Erwartungen nach Berlin, „ich wollte mit Hertha in die Champions League“. Er hatte 50 Tore in drei Jahren geschossen für Arminia Bielefeld. Er wollte bei Hertha die „Nummer eins oder zwei“ im Sturm sein. Heute ist Wichniarek die Nummer vier, hinter Fredi Bobic, Giuseppe Reina und Nando Rafael, und wenn Luizao fit ist, wird Wichniarek die Nummer fünf sein. Der 27-Jährige ist unzufrieden, will sich aber nicht weiter äußern. „Ich halte den Mund.“ Seit Montag geht das so. An diesem Tag hat er das erste Mal wieder mit der Mannschaft trainiert.

Geredet hat Wichniarek ohnehin schon zu viel, deshalb ist der Manager nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen. Er werde falsch eingesetzt, rechts statt zentral im Angriff, polterte Wichniarek. Hoeneß ärgerte sich, dass die Kritik deplatziert war, weil Wichniarek seit Dezember kein Spiel mehr bestritten hat und „auf der rechten Seite nur zwei Mal spielen musste“. Vor allem aber hat sich Hoeneß gewundert, dass der Stürmer kein Wort darüber verlor, welchen Teil er zur Verhinderung das Abstiegs beitragen will.

Wichniarek steht seit neun Monaten in Berlin unter Vertrag. Integriert ist er nicht, heißt es intern. Er werde selten von den Kollegen angespielt, habe das auch schon in der Mannschaft angesprochen. Deshalb sei er in erster Linie mit sich selbst unzufrieden. Allerdings zeigt Wichniarek auch nicht das, was für seine Verpflichtung sprach: Gespür und Tordrang. Wenn er in der Hinrunde am Ball war, dauert es nicht lange, bis er diesen verlor. Immerhin, Wichniarek hat gesagt, dass er in Bielefeld ein Jahr Eingewöhnungszeit gebraucht habe. Es bleibt die Hoffnung.

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