Spielerin von Turbine Potsdam : Vom Profisport in ein neues Leben

Mit 27 Jahren und drei Kreuzbandrissen beendet Stefanie Draws ihre Karriere bei Turbine Potsdam. Und fängt nochmal neu an.

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Stefanie Draws, 27, spielt seit 2006 für Turbine Potsdam und wurde in dieser Zeit vier Mal Deutscher Meister. Foto: Manfred Thomas
Stefanie Draws, 27, spielt seit 2006 für Turbine Potsdam und wurde in dieser Zeit vier Mal Deutscher Meister.Foto: Manfred Thomas

Stefanie Draws, Sie haben elf Jahre bei Turbine Potsdam gespielt, was bleibt für Sie die schönste Erinnerung?

Mein schönster Moment war die erste Meisterschaft, die ich mit der Mannschaft geholt habe. Es war ein absolutes Herzschlagfinale. Wir haben zuhause gewonnen und mussten dann warten, wie es bei der Konkurrenz aussieht. Gefühlt haben wir eine halbe Ewigkeit gezittert – aber es hat geklappt.

Jetzt beenden Sie mit 27 Jahren Ihre Karriere als Profisportlerin. Warum so früh?

Dass ich aufhöre hat vor allem gesundheitliche Gründe. Ich hatte drei Kreuzbandrisse. Danach war es immer wieder schwer zurückzukommen. Auch wenn sich das Schuften jedes Mal gelohnt hat, zerrt das natürlich an den Nerven und die Schäden haben sich in diesem Jahr öfter bemerkbar gemacht. Außerdem ist der Spagat zwischen Arbeit und Fußball auf Dauer sehr kräftezehrend, sodass ich jetzt beruflich mehr machen möchte.

Mehr als Fußballspielen?

Ja. Ich habe schon während meiner Zeit bei Turbine 30 Stunden die Woche in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke gearbeitet. Das werde ich ausbauen. Außerdem will ich berufsbegleitend einen Master im Marketingbereich machen.

Klingt nach einer ganz anderen Welt. Bereuen Sie es denn, Profisportlerin geworden zu sein?

Überhaupt nicht. Für mich war es ein Traum, mein Hobby zum Beruf zu machen und damit sogar schon in jungen Jahren Geld zu verdienen. Man sollte sich aber ein zweites Standbein aufbauen. Der Sport ist ein schnelllebiges Geschäft.

Das haben Sie gemacht.

Ja. Ich habe mit 16 bei Turbine Potsdam angefangen, war auf dem Internat und konnte mein Abitur an der Sportschule machen. Später habe ich dann ein duales Studium im Sportmanagement angefangen. Die Organisation und Disziplin spielten eine wichtige Rolle. Während langer Busfahrten zu Auswärtsspielen war auch Lernen angesagt.

Hatte es auch finanzielle Gründe, dass Sie studiert und später parallel zum Profisport gearbeitet haben?

Hätte ich richtig, richtig viel Geld verdient, so wie es im Männerbereich ist, hätte ich mir vielleicht kein zweites Standbein aufbauen müssen. Klar, kann man von dem Gehalt bei Turbine leben, nur viel ansparen kann man nicht. Aber dadurch, dass wir nur für einen gewissen Zeitraum auf dem Niveau spielen können, ist es wichtig, an das Leben nach dem Sport zu denken.

Was halten Sie davon, dass die Männer ein Vielfaches mehr als die Frauen verdienen?

Der Unterschied zu den Männern liegt auch darin, dass unsere männlichen Kollegen medial präsenter sind und auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Natürlich würde ich mir wünschen, dass in Zukunft auch im Frauenfußball mehr Einnahmen möglich sind. Aber wir haben den Vorteil, nach dem Spiel ein normales Leben außerhalb der Öffentlichkeit zu führen. Das ist auch etwas wert.

Langsam rückt allerdings auch der Frauenfußball mehr in die Öffentlichkeit.

Das stimmt. Die Medienpräsenz ist gestiegen. Das liegt daran, dass sich auch der Frauenfußball in den letzten Jahren gewandelt hat. Die Mannschaften sind professioneller geworden, das Spiel ist schneller und technisch besser. Und die Belastung für uns Spielerinnen ist höher geworden.

Wie viel Zeit bleibt bei der Belastung auf dem Platz und im Büro noch für Familie und Freizeit?

Wenig bis gar keine. Man muss morgens früh zum ersten Training und kommt nach dem letzten Training erst gegen 20 Uhr nach Hause. Dazwischen arbeitet man. Und abends ist man dann froh, einfach nichts mehr machen zu müssen. Man verzichtet schon auf viel. Aber der Sport gibt einem auch viel zurück.

Zum Beispiel?

Den Spaß am Spielen und den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Man erlebt so viel gemeinsam. Erfolge und Niederlagen. Das schweißt zusammen.

Wie schwer fällt der Abschied Wie schwer fällt der Abschied?

Vergangenes Wochenende war mein letztes Spiel im Karl-Liebknecht-Stadion. Ein, zwei Tränen sind geflossen. Aber so richtig werde ich es wahrscheinlich ich erst nach der Sommerpause realisieren, dass sich mein Leben komplett ändern wird. Im Moment bin ich noch voll dabei und fiebere unserem letzten Spiel am Sonntag in Duisburg entgegen.

So spannend wie beim Meisterschaftshoffen wird es danach wahrscheinlich nicht mehr, oder?

Es wird sicher andere Dinge geben, die spannend und erlebnisreich werden, auch wenn man diese nicht mit dem Sport vergleichen kann und sollte. Ich freue mich darauf, am Wochenende mal ein Städtetrip zu machen, bei einer Familienfeier zu sein oder einfach nur bei meinen Eltern an der Ostsee zu entspannen.

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