Sponsoring : Das Millionenspiel

Fernsehrechtehändler und Sponsoren führen den Handball in ganz neue finanzielle Dimensionen. Die Finanzkrise stellt allerdings ein Risiko dar.

Erik Eggers[Zadar]

Es sind Summen, die im Handball noch nie aufgerufen worden sind. Laut einem Bericht der Lübecker Nachrichten sollen die Rhein-Neckar Löwen dem THW Kiel ein Angebot in Höhe vom 3,8 Millionen Euro vorgelegt haben, um den französischen Welthandballer Nikola Karabatic, den Tschechen Filip Jicha und den slowenischen Rechtsaußen Vid Kavticnik aus den bis 2011 (Jicha) beziehungsweise 2012 laufenden Verträgen herauszukaufen. Die Angelegenheit, während der Weltmeisterschaft in Kroatien heiß debattiert, wurde zwar umgehend dementiert.

„Wir haben ein solches Angebot bislang nicht vorliegen“, erklärt THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker. Auch Manager Thorsten Storm versicherte, „keine astronomischen Summen“ aufrufen zu wollen. Immerhin bestätigten beide Klubs, sich am Wochenende zu einem Meinungsaustausch in Kiel getroffen zu haben. Klar ist auch, dass nicht über Jicha verhandelt wird, sondern nur noch über Karabatic und Kavticnik. Und dass Kiel nicht ewig warten will. „Die Löwen sind am Zug“, sagt Schwenker.

Unabhängig davon, ob die Summe stimmt: Sollte Karabatic tatsächlich dem Trainer Noka Serdarusic folgen, der ab Sommer 2009 in Mannheim trainiert, dann ist der erste Millionentransfer im Welthandball fällig; die teuerste Ablöse wurde bisher für den spanischen Spielmacher Chema Rodrigez (2008 von Valladolid nach Ciudad Real) bezahlt. Auch das im Raum stehende Gehalt für Karabatic (angeblich rund 1,2 Millionen Euro brutto jährlich) würde alles Bisherige sprengen. Nach Einschätzungen von Marktbeobachtern sorgen vor allem die Löwen für eine neue Dynamik. Angeblich soll der neue Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen, der die dänische Kasi-Group führt, das Geld, das er bislang für einen Kopenhagener Fußballklub zahlte, nun in den Handball investieren: acht Millionen Euro. So viel beträgt der aktuelle Jahresetat des THW Kiel, der die stärkste Liga der Welt seit Anfang der neunziger Jahre dominiert.

Auch an anderen Fronten des Handballs gibt es Bewegung. Angeblich soll der Internationalen Handball-Föderation (IHF) ein Angebot in Höhe von über 50 Millionen Schweizer Franken für den TV-Vertrag im nächsten Vierjahres-Turnus von 2010 bis 2013 vorliegen, möglich macht dies ein Bietergefecht zwischen dem aktuellen Rechte-Inhaber Sportfive und der Ufa Sports, an der RTL mit 25 Prozent beteiligt ist. Aus dem alten Vertrag kassiert die IHF 23 Millionen Schweizer Franken. RTL bezahlte für die deutschen Übertragungsrechte der laufenden WM rund sechs Millionen Euro. Auch das stellt einen Rekord dar, aber die Quoten scheinen den Betrag zu rechtfertigen. Beim Hauptrundenspiel am Sonntag gegen Norwegen (24:25) schauten in der Spitze 9,85 Millionen Deutsche zu (das entscheidende Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet).

Die Frage lautet nun, ob die aktuelle Finanzkrise die Konjunktur des Handballs eindämmt oder gar stoppen kann. Schwenker, der sich in der Branche den Ruf eines „Uli Hoeneß des Handballs“ erworben hat, glaubt nicht an ewiges und vor allem steiles Wachstum. „Ich glaube nicht, dass die Kurve immer steil nach oben zeigen wird“, sagt der 49-Jährige skeptisch. „Mal sehen, was der neue TV-Vertrag für die Bundesliga-Rechte bringen wird.“ Die Erträge der 18 Bundesliga-Klubs aus dem laufenden Vertrag sind kümmerlich; garantiert sind lediglich eine Million jährlich, gut 50 000 Euro pro Klub. Allerdings soll der Spartensender Eurosport, der seit 2006 die Champions League mit annehmbaren Quoten zeigt, sich erstmals für den Bundesliga-Handball interessieren.

Bleiben die Erlöse aus den TV-Rechten so niedrig, sind Mäzene und Sponsoren der einzige Treibstoff für die Konjunktur bei den deutschen Bundesligaklubs. Und exakt darin liegt die Gefahr: Sollten diese Sponsoren abspringen, weil die Werbeetats geringer ausfallen, wäre ein Ende des Wachstum der stärksten Liga der Welt bald erreicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben