Sponsoring : Enorm hoher Stellenwert

Sie verschenken Musikplayer – und finanzieren Karrieren: Immer mehr Firmen engagieren sich im Behindertensport. Auch, weil sie vom Image der Athleten profitieren.

Annette Kögel
Ottobock
Schulterschluss. Hier gibt es Blumen für den Skifahrer Gerd Schönfelder, überreicht durch Hans Georg Näder vom Unternehmen Otto...Foto: Ralf Halbhuber

Manchmal sind es die kleinen Gesten, über die sich die Menschen am meisten freuen. Wie bei der Verabschiedung der 170 Athleten der deutschen Paralympics-Nationalmannschaft nach China. Diesmal gab es nicht nur einen warmen Händedruck von Funktionären und Politikern, sondern auch einen MP3-Player fürs Handgepäck: für schnelle Sounds zum Aufpowern, für sanfte Klänge zum Relaxen – gestiftet von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Endlich bekommen mal nicht nur die Sportstars Sponsorengeschenke, hat sich da so mancher Teilnehmer gedacht.

Großer Sport, große Sponsoren: Beim Leistungssport von Menschen mit Handicap geht diese Gleichung noch nicht auf. Dabei wird Unterstützung aus Sicht der Aktiven dringend benötigt. Denn in Deutschland kann noch kein Athlet von Startprämien oder Medaillengeld leben. Um so wertvoller für die Sportler, dass Allianz und Deutsche Telekom 54 Athleten im deutschen Team finanziell unterstützen. So können sie sich wenigstens vorübergehend vom Job freistellen lassen. „Die Sportler und ihre Spiele sind unglaublich faszinierend und strahlen auch innerhalb des Unternehmens aus“, begründet Allianz-Sprecher Christian Teichmann das Engagement.  Schon lange vor den Spielen hat die Allianz für ihre Mitarbeiter eine Intranetseite eingerichtet, mit fast 70 000 Zugriffen in wenigen Wochen – das Unternehmen beschäftigt die behinderte Leistungsschwimmerin Christina Ziegler.

Behindertensportler haben Vorbildfunktion für andere Patienten

Ein wichtiger Unterstützer der paralympischen Bewegung ist auch die Gesetzliche Unfallversicherung. Bei ihr sind alle Arbeitnehmer, Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes sowie Kita-Kinder und Schüler versichert - bundesweit sind das mehr als 70 Millionen Menschen. Bei einem Arbeits- oder Schulunfall springen Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen ein.

„Bei der Rehabilitation spielt Sport eine wichtige Rolle“, sagt Gregor Doepke, Sprecher des Spitzenverbandes DGUV – er engagiert sich auch im Vorstand des Förderkreises Behindertensport. „Wir unterstützen Leistungssportler, weil sie auch eine Vorbildfunktion für andere Patienten haben“, so Doepke. Wenn es für den therapeutischen Erfolg wichtig ist, kann auch die Ausstattung der Versicherten mit Sportgeräten, wie zum Beispiel einem Rennrollstuhl, übernommen werden.

Neu im Paralympics-Sponsorenteam ist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die ABDA macht indes mehr, als Musikplayer zu verteilen. „Die Partnerschaft entstand während eines parlamentarischen Abends“, sagt Sprecher Thomas Bellartz. „Das Thema hat uns so fasziniert, wir sind sofort eingestiegen.“ Nun liegen in allen Apotheken deutschlandweit Flyer mit dem Paralympics-TV-Programm aus. „Die erste Auflage ist 2,5 Millionen, wir drucken sicher nach“, so Bellartz. Und es gibt bereits erste Kooperationen zwischen Landesverbänden und regionalen Sportvereinen. Und: „Wir werden den Behindertensport künftig bei allen Events präsentieren.“

Stellenwert der Paralympics wächst

Einer der Pioniere der paralympischen Bewegung ist die Firma Otto Bock Health Care mit Sitz in Duderstadt. Hans Georg Näder, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienbetriebs, erinnert sich „noch gut an die Anfänge 1988 in Seoul“. Vier Techniker von Otto Bock Australien boten den Athleten in einem kleinen Pavillon ihre Hilfe an. „1992 transportieren wir erstmals einen kompletten Werkstattcontainer nach Barcelona.“ In Peking stellte der Weltmarktführer im Bereich Prothetik und führende Anbieter von Orthetik und Hightech-Rollstühlen bereits einen Rekord auf, bevor die Spiele überhaupt begonnen haben: 136 Techniker aus 19 Ländern unterstützen die Athleten aus aller Welt in der Zentralwerkstatt im Sportlerdorf sowie an Service-Stationen an 13 Wettkampfstätten. Auch die Teilnehmer aus armen Ländern lassen sich ihre Rollstühle oder Prothesen warten. Ganze Containerladungen Material hat Otto Bock nach China verschifft– für den paralympischen Geist wirbt die einst in Berlin gegründete Firma am hiesigen Hauptbahnhof mit riesigen Imageplakaten.

Langjähriger Förderer des Behindertensports ist auch die Bayer AG. Sportler wie der Leichtathlet Heinrich Popow haben bei Paralympics schon fast 50 Medaillen geholt. Bayer wiederum nutzt den Titel „Förderer des Behindertensports in Deutschland“ in der Öffentlichkeitsarbeit. Popow sprintet etwa auf Plakaten, „um Imagewerte in einem positiv besetzten Umfeld zu erreichen“, heißt es beim Unternehmen. Natürlich spiele auch der Gedanke des Mäzenatentums eine Rolle, sagt Sprecher Achim Bellmann. Zu den Global Players im Sponsoring gehören die weltweiten Partner des International Paralympic Comitee. Sprecherin Steffi Klein zufolge sind das etwa Visa, Samsung, Otto Bock und Atos Origin. Coca Cola stellt seine Getränke während der Spiele imagefördernd auch im Pressezentrum in die Kühlschränke, und VW organisiert die Fahrzeuge für den Shuttle. Fluglinie der deutschen Mannschaft ist die Lufthansa. Sie alle wollen durch den Einsatz natürlich auch ihre Marktpräsenz vergrößern.

Schneller, höher, weiter: In Peking gibt es eine Premiere. „Wir starten erstmals eine landesweite Imagekampagne in China mit behinderten Sportlern“, sagt Katja Schreiber von „Adidas China Corporate PR“. „Die Paralympics haben hier einen enorm hohen Stellenwert.“

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