Sponsoring : Tradition gewinnt

Der DFB setzt weiter auf Adidas – für mehr Geld. Nike wollte 500 Millionen Euro zahlen, ist aber aus dem Rennen.

Robert Ide

BerlinIm Wembleystadion wird Adidas nicht vertreten sein. Wenn dort am Mittwoch der Länderspielklassiker zwischen England und Deutschland angepfiffen wird, weilt Vorstandschef Herbert Hainer auf einer Investorentagung in Amerika, „und auch sonst kommt kein Repräsentant von uns ins Stadion“, wie Adidas-Sprecher Jan Runau sagt. Unten auf dem Rasen aber wird Adidas zu sehen sein – als Ausrüster der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Und das wird wohl auch so bleiben. Denn nach der Anhörung vor einem Schiedsgericht wollen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Adidas ihre Zusammenarbeit nun doch fortsetzen – bis mindestens 2014. Weltmarktführer Nike wäre aus dem Rennen.

Eigentlich hatte der DFB schon einmal die Fortsetzung der Zusammenarbeit per Pressemitteilung in Aussicht gestellt – im Gegenzug hatten Adidas und der DFB den Nationalspielern die freie Schuhwahl zugesichert. Für eine Vertragsverlängerung hatte der Ausrüster aus Herzogenaurach 22 Millionen Euro pro Jahr geboten. Doch nachdem Weltmarktführer Nike ein Angebot über 500 Millionen Euro für einen Achtjahresvertrag beim DFB abgegeben hatte, stoppte der Verband seine Vertragsgespräche mit Adidas und bestritt, den Vertrag mit seinem Partner verlängert zu haben. Ein Rechtsgutachten sollte diese Position stützen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger lobte fortan das Nike-Angebot und sprach davon, 1000 Bolzplätze in Deutschland von den zusätzlichen Einnahmen zu bauen. Adidas und der DFB gerieten in Streit – und riefen schließlich ein Schiedsgericht an. Die deutsche Nationalmannschaft gilt für die Sportartikelkonzerne als wichtiges Geschäftsfeld. Während der WM 2006 hat Adidas eineinhalb Millionen Trikots der Nationalspieler verkauft.

Neun Stunden lang tagte das Gericht unter Vorsitz des Osnabrücker Richters Willi Erdmann. Über den Verlauf der Verhandlung, bei der Hainer und Zwanziger anwesend waren, wurde auch am Freitag nichts bekannt. Beide Seiten betonten lediglich ihr Interesse an einer gütlichen Einigung. Aus DFB-Kreisen hieß es, der Vertrag solle nun zu deutlich besseren Konditionen bis 2014 verlängert werden. Mit einer Einigung ist möglicherweise schon in der kommenden Woche zu rechnen. „Wir sind in aussichtsreichen Gesprächen“, sagte Runau, ohne weitere Details zu nennen. Es wird allerdings erwartet, dass nun Adidas das Bolzplatz-Programm des DFB übernimmt. Der DFB wollte sich am Freitag nicht zu Verhandlungsdetails äußern. Nike war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Robert Ide

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