Sport : Sport gucken und Steuern zahlen

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Robert Ide über das neue Sparpaket

für die FußballBundesliga

Jürgen W. Möllemann hatte die Zeichen der Zeit als Erster erkannt. Vor vier Wochen trennte sich der ehemalige FDP-Chef Nordrhein-Westfalens von seiner Prominentenloge in der Arena Auf Schalke. Spekulationen, dass er den gläsernen Kasten aus Geldmangel weitergegeben habe, ließ Möllemann dementieren. Auch die Annahme, der politische Draufgänger habe seinen Abstieg in der Partei geahnt, ist eher unwahrscheinlich. Nein, der wahre Grund kann nur sein: Jürgen W. Möllemann hat frühzeitig von den neuen Haushaltsvorschlägen der Bundesregierung gewusst. Die sehen höhere Steuern für Besitzer von Logenplätzen vor.

Obwohl das Finanzministerium von Hans Eichel diese Pläne erst zögerlich bestätigt („Es ist richtig, dass wir so etwas planen, aber wir müssen uns noch mit den Ländern abstimmen“), ist die Fußball-Bundesliga schon ganz aufgeregt. Warum sollen sich Sportler auch anders verhalten als der Rest der Republik? Höhere Steuern? – fragen die Leute mit empörter Stimme. Und antworten gleich selbst: Skandal! Die Opposition sagt: Da machen wir nicht mit.

Aber ist es wirklich ein Skandal, was Eichel in den Stadien plant? Um das zu beantworten, muss man sich die Sache genauer ansehen. Also, bisher konnten Geschäftsleute ihren Stadionbesuch als Bewirtung deklarieren und damit Steuern sparen. Schließlich bahnten sich in den Prominentenlogen – Miete auf Schalke: bis zu 100000 Euro pro Saison – oft auch Geschäfte an. Nachweisen ließ sich das freilich nicht. Nun will Eichel das Steuerschlupfloch schließen. Die Bundesliga wehrt sich und warnt vor Einbußen. Außerdem verweisen die 36 Profivereine darauf, dass sie bis Dezember 600 Millionen Euro an Umsatz-, Gewerbe- und Lohnsteuer gezahlt haben. Das erscheint alles einleuchtend. Auf den ersten Blick.

Bei genauerem Hinsehen erweist sich die Maßnahme durchaus als richtig. Angesichts leerer öffentlicher Kassen müssen finanzielle Privilegien abgebaut werden. Zudem soll das Steuersystem übersichtlicher werden. Warum sollte der Sport davon ausgenommen werden? Ja, die Bundesliga zahlt eine Menge Steuern, aber sie macht schließlich auch eine Menge Gewinn. Und der Staat zeigt sich nicht geizig, wenn es um die Unterstützung der Fußballer geht. Die privat vermarkteten Spiele werden von der Polizei überwacht und kontrolliert – auf Staatskosten. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 baut die öffentliche Hand die Infrastruktur rund um die Stadien aus. Und sie finanziert die neuen Spielstätten in Leipzig und Berlin. Das alles nützt den Profivereinen.

Die Aufregung wirkt also etwas künstlich. Oder wird der FC Schalke 04 untergehen, wenn Jürgen W. Möllemann seine Geschäfte nicht mehr im Stadion erledigt?

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