Sport : Sportfusion: Länder wieder skeptisch

Christian Tretbar

Frankfurt am Main - Richtig frustriert wirkte Ekkehard Wienholtz. „Wir ziehen da einen dicken Strich drunter“, sagte der Sprecher der Landessportbünde nach der Sitzung der Satzungs- und Strukturkommission des Deutschen Sportbundes (DSB). Und das sagte er nicht, weil er so zufrieden ist mit dem, was unter diesem dicken Strich jetzt steht, sondern weil der Verhandlungsspielraum im Kampf um die Fusion der deutschen Sportverbände erschöpft zu sein scheint. „Es liegt jetzt an den einzelnen Landessportbünden, das Ergebnis zu bewerten, aber ich vermag keine Prognose mehr abzugeben“, sagt Wienholtz.

Das Gremium hat einen Satzungsentwurf für den neuen Dachverband erarbeitet, über den jetzt die Präsidien des DSB und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) entscheiden müssen, bevor am 10. Dezember die beiden Verbände darüber befinden. Die abschließende Sitzung des Satzungsgremiums hatte einige Forderungen vom Wochenende aufgenommen und in die neue Satzung eingearbeitet. Das Problem ist aber, dass die drei zentralen Änderungsanträge, die auf Druck der Länder in das Gremium eingebracht worden waren, von der Kommission abgelehnt wurden. Die drei zentralen Punkte waren der Stimmenanteil der Landessportbünde in der neuen Mitgliederversammlung, der auf 33,55 Prozent wachsen sollte, die Besetzung des Präsidialausschusses Breitensport mit fünf Vertretern der Landessportbünde und die Umbenennung des neuen Dachverbandes von „Deutscher Olympischer Sportbund“ in „Deutscher Sport- und Olympiabund“. Durch diese Änderungen sollte es den skeptischen Landessportbünden ermöglicht werden, der Fusion zuzustimmen. Selbst Rolf Müller, Präsident des LSB Hessen und schärfster Kritiker der Fusion, war zuversichtlich und sprach vor der Sitzung von einem „ungeheuer positiven Sprung“, der da gemacht worden sei.

Doch die Satzungs- und Strukturkommission wies die Forderungen zurück. „Das war für die Landessportbünde eine enttäuschende Sitzung“, gesteht Wienholtz. Verbandsname und Besetzung der Präsidialausschüsse bleiben wie gehabt, bei der Stimmverteilung lautet die Sprachregelung „ein Drittel“, sagen Funktionäre. „Die Marke 33,55 Prozent war für uns psychologisch wichtig, weil es ein Drittel plus mindestens eine Stimme bedeutet hätte“, sagte Wienholtz. Enttäuschung herrschte auch bei Walter Schneeloch, dem Präsidenten des LSB Nordrhein-Westfalen, vor: „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Strukturkommission alle Vorschläge einfach ignoriert. Ich war sehr optimistisch, jetzt kann ich das so nicht mehr sagen.“ Auch bei Rolf Müller ist der Optimismus verschwunden: „Das ist schlicht ein Skandal.“

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