Sportpolitik : Machtkampf im Berliner Sport

Der frühere Senator Klaus Böger will den Landessportbund führen – nun kommt es zu einem Machtkampf mit Funktionär Dietrich Gerber.

Robert Ide,Friedhard Teuffel

Berlin - Peter Hanisch hat heute keinen leichten Tag. Der Präsident des Landessportbundes (LSB), mithin Chef des Berliner Sports, wird auf der abendlichen Präsidiumssitzung am Olympiastadion einen heiklen Tagesordnungspunkt aufrufen: seine eigene Nachfolge. „Ich weiß noch nicht, was dann passiert“, sagt Hanisch. Am Ende der Sitzung dürfte der 72-Jährige mehr wissen, denn dann wird feststehen: Dem Berliner Sport steht ein monatelanger Machtkampf bevor.

Nach Informationen des Tagesspiegels hat der ehemalige Senator Klaus Böger (SPD) bereits eine Mehrheit zusammen. Mehrere wichtige Verbände wollen den 63-Jährigen, der von 1999 bis 2006 im Senat auch für Sport zuständig war, als Kandidaten ins Spiel bringen. Böger sitzt im Beirat der Füchse-Handballer; zwischenzeitlich wurde ihm Interesse an einer verantwortlichen Position bei Hertha BSC nachgesagt. Nun könnte Böger tatsächlich ein wichtiges Amt im Sport übernehmen. „Ich kann mir gut vorstellen, das zu machen und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports in Berlin zu stärken“, sagt Böger auf Nachfrage. Der Landessportbund ist mit einer halben Million Mitgliedern in 2000 Vereinen die größte gemeinnützige Organisation der Stadt.

Auf der Mitgliederversammlung im Juni 2009, die den Präsidenten für drei Jahre zu bestimmen hat, wird sich Böger aber einem Gegenkandidaten gegenüber sehen: Dietrich Gerber. Der langjährige Sportfunktionär war intern lange als Nachfolger Hanischs gehandelt worden, hat sich aber bislang nicht offiziell geäußert. Gerber ist seit vielen Jahren für den LSB tätig, derzeit als für Leistungssport zuständiger Vizepräsident. Er sagte am Dienstag dem Tagesspiegel: „Ich trete ebenfalls an, für mich ist das Rennen offen.“

Danach sieht es derzeit allerdings noch nicht aus. Die Unterstützung für Böger steht auf breiter Basis. Schon vor einigen Monaten hatten sich die fünf Berliner Ballsportverbände Hockey, Handball, Fußball, Basketball und Volleyball auf Böger als ihren Kandidaten verständigt, inzwischen sind weitere Verbände hinzugekommen. Die Initiative ging vom Hockeyverband aus. „Böger kennt den Berliner und den deutschen Sport sehr gut und hat aufgrund seiner Vergangenheit viele Möglichkeiten, in die Politik hineinzuwirken“, sagt Erfried Neumann, der Chef des Berliner Hockey-Verbands. Auch der frühere LSB-Präsident Manfred von Richthofen spricht von einem „erstklassigen Kandidaten mit politischem Gewicht“. Es könne nicht schaden, wenn sich Böger auch mal mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit anlege. Wowereit hatte Böger einst als Senator aussortiert.

Angesichts wackliger öffentlicher Finanzen und der rückläufigen Bezuschussung des Berliner Sports aus Lotto- Toto-Überschüssen trauen viele Funktionäre Böger offenbar am ehesten zu, Geld zu generieren. „Ich denke, dass er auch den Leistungssport stärken wird“, sagt Bernd Schultz, Chef des Berliner Fußballverbandes. Dass Böger früher im Senat auch für Schulpolitik verantwortlich war und sich damit nicht nur Freunde gemacht hat, findet mancher sogar hilfreich. Denn viele Ganztagsschulen belegen die Sporthallen mittlerweile bis in den späten Nachmittag und konkurrierten so mit den Sportvereinen um die Hallen. „Da benötigen wir einen Kompromiss und eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sport“, sagt Hockeyfunktionär Neumann. Er erwartet von Böger vor allem aber strukturelle Reformen: „In Brandenburg gibt es einen festgeschriebenen Betrag für den Sport. Wir in Berlin müssen mit jeder Haushaltslesung um unseren Etat kämpfen.“ Böger hat diesen Umstand mitzuverantworten und sagt dazu lapidar: „Es ist wohl mein Schicksal: Überall, wo ich hinkomme, muss ich um Geld kämpfen.“

Zunächst muss sich der Politiker aber im Wahlkampf stellen. Denn Gerber will versuchen, Bögers politisches Renommee durch inhaltliche Kompetenz auszugleichen. „Ich bin ein Mann aus dem Sport“, sagt Gerber, „deshalb werde ich auf die Balance zwischen Spitzen- und Breitensport achten.“ Für sich selbst zumindest hat Gerber die Balance gefunden, die intern mancher vermisst hatte. Denn lange Zeit hatte Gerber offen gelassen, ob er nicht lieber Nachfolger von Henning Opitz als Präsident des Berliner Handball-Verbandes wird. „Das hat sich geklärt“, sagt Gerber nun. „Aus diesem Wort bin ich entlassen, nun bewerbe ich mich um die LSB-Spitze.“

Ausgeschieden aus dem Kampf ist der frühere Staatssekretär Frank Ebel, der auch als potenzieller Bewerber galt. Er ist Chef des Berliner Turner-Bundes und soll nun die neue Präsidialkommission der Verbände leiten. Der Turner-Bund hat sich jetzt auf Bögers Seite geschlagen.

Bei internen Sondierungen hat es bislang wenig Widerstand gegen den einstigen Sport- und Schulsenator gegeben. Nach Darstellung Neumanns regte sich nur im Seglerverband Protest: „Der Verband hat traditionell viele Lehrer in seinen Reihen, davon waren wohl einige mit Bögers Schulpolitik nicht einverstanden.“

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