Sprachminderheiten-EM : Dänendeutsche gegen Deutschdänen

Die Sprachminderheiten spielen um den EM-Titel. Ein solches Turnier ist eine gute Möglichkeit, auf die kulturelle Vielfalt hinzuweisen, ohne sofort in die Trachtenfalle zu tappen.

Helge Buttkereit

FlensburgDie Nordfriesen haben ein Problem. Sie haben Männer, die Fußball spielen können, und welche, die Friesisch sprechen. Beides in Kombination ist selten. Also muss Organisator Gary Funck vom Friisk Foriining – dem Friesischen Verein – umdenken. Er meldet einfach ein Frauenteam für die Europeada. Nun werden 15 Spielerinnen die Nordfriesen vertreten, von denen heute noch gut 10 000 die friesische Sprache beherrschen. Sie werden gegen 19 Männerteams antreten, wenn – eine Woche vor der richtigen Europameisterschaft – die EM der Sprachminderheiten ausgetragen wird. Schauplatz ist der schweizerische Kanton Graubünden.

Ein solches Turnier ist eine gute Möglichkeit, auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt hinzuweisen, ohne sofort in die Trachtenfalle zu tappen. Schließlich werden Minderheiten wie die Sorben aus der Lausitz oder die Deutschen in Polen und Ungarn oft genug auf ihre Folklore reduziert. Und sie reduzieren sich selber, wie Frank Nickelsen von der Föderalistischen Union der europäischen Volksgruppen (FUEV) sagt. Manche Fußballer greifen selbst zur Geige, erzählt er. Die aromunischen Fußballer etwa, die einen rumänischen Dialekt sprechen.

Solch doppelte Talente suchen Holger Bruhn und Lennart Nickelsen in ihren Teams vergeblich. Bruhn trainiert die dänischen Südschleswiger, Nickelsen ist Spieler und Organisator der deutschen Nordschleswiger. Beide schauen mehr aufs Sportliche. Und so traten sie am Mittwochabend schon einmal gegeneinander an. Deutsche gegen Dänen, oder auch umgekehrt – schwer zu sagen. Die Dänen in Deutschland gewannen 3:0. Und bei der EM können sie vielleicht sogar einen Profi aufbieten. Kolja Afriyie spielt in der ersten dänischen Liga und hat sogar vier U-21-Länderspiele für Deutschland absolviert. Der Außenverteidiger hat zwar ghanaische Wurzeln, aber er versteht Bruhn, wenn er Dänisch spricht. Nötig wäre das nicht. „Minderheit ist, wer sich dazugehörig fühlt“, sagt FUEV-Sekretär Nickelsen. Sprachtests gibt es nicht.

Dennoch: Die Mannschaften legen großen Wert darauf, dass auch in der Minderheitensprache gesprochen wird. Die Sorben beispielsweise verzichteten auf die Verpflichtung eines Lausitzer Oberligatrainers, weil er kein Sorbisch sprach. Und die Zimbern, mit etwa 1000 Sprechern die kleinste Sprachminderheit, die an der Europeada teilnimmt, schicken eine Dorfauswahl. Ihre Fußballer stammen alle aus der 300-Seelen-Gemeinde Lusern im Trient in Norditalien, wo die Mischung aus Bairisch, Italienisch und Mittelhochdeutsch noch gepflegt wird. Favoriten sind sie wohl nicht. Eher die Kroaten in Serbien oder die Waliser, für die immerhin die eingespielte Mannschaft aus Cardiff an den Start geht. Aber auch die muss mit der Höhenluft fertig werden. Genau wie die anderen Flachländer. „Wir absolvieren ein Höhentrainingslager auf dem Stollberg“, sagt der nordfriesische Organisator Gary Funck. Seine Spielerinnen sollen dort die Treppen des Fernsehturms erklimmen. Der Berg selbst ist gerade 43 Meter hoch.

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