Sport : Springen oder drücken?

Die BMX-Fahrer feiern ihre Premiere bei Olympia

Katja Reimann

Gefährlich ist vor allem der Wind. Wenn der zu stark ist und der Sprung sehr hoch, dann trägt er die Fahrer auf ihren kleinen, leichten BMX-Rädern schnell ein paar Meter zur Seite, vermasselt eine gute Landung und ruiniert womöglich das ganze Rennen. In Peking, wo das Wetter in den letzten Tagen nicht immer wettkampffreundlich war, kann es schon mal windig sein. „Und“, sagt Berend Meyer vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR), „die Bahn dort ist nicht ohne.“ Die Strecke, aufgeschüttet mit rotem Sand, sei schnell, die Hindernisse steil. Die olympische Premiere für BMX-Fahrer wird also keine leichte.

Heute und morgen fahren sie um Medaillen. Damit Platz für sie ist, wurden extra zwei konventionelle Radwettbewerbe aus dem Programm gestrichen. BMX (Bicycle Moto-Cross) wurde in den 60ern in Kalifornien erfunden und spätestens seit dem Science-Fiction-Film „E. T.“ aus dem Jahr 1982, in dem der drollige Außerirdische in einem Fahrradkorb am Lenker eines solchen Rads vor Bösewichten in Sicherheit gebracht wird, weiß jeder, worum es dabei geht: möglichst schnell über sandige Hügel rasen.

Bis zu 50 Stundenkilometer schnell können die Profis auf der rund 350 Meter langen olympischen Strecke werden, gestartet wird von einem acht Meter hohen Hügel – das bringt ersten Schwung. Es gibt Wellenteppiche und sogenannte Doubles – zwei Hügel hintereinander – oder einen Table, der bis zu zwei Meter hoch und fast vier Meter breit sein kann und übersprungen werden muss. Manchmal müssen die Fahrer schnell entscheiden: Lieber springen? Oder doch besser drücken? So nennt man das einfache Überfahren eines Hindernisses, ohne dass die Räder vom Boden abheben. Nicht immer ist ein Sprung schneller. Denn: Wer wenigstens das Hinterrad am Boden hält, kann Tempo machen, wer durch die Luft fliegt, der kann das nicht.

„Ein BMX-Rennen ist vergleichbar mit einem Mittelstreckensprint“, sagt Berend Meyer vom BDR. Die Fahrer brauchen viel Kondition und Kraft. „Es ist ein Hochleistungssport.“ Ein nicht ungefährlicher. Von 1900 Teilnehmern der letzten Europameisterschaft mussten 52 nach dem Rennen zum Arzt, erinnert er sich. Es gab Schlüsselbeinbrüche, ausgekugelte Schultern und Gehirnerschütterungen. Auch ein Milzriss ist ab und zu dabei – dazu kommt es, wenn sich der Lenker beim Sturz verdreht und in die Magengegend bohrt.

Deutsche Crossfahrer sucht man bei Olympia noch vergeblich, die Favoriten kommen aus den USA, Frankreich oder den Niederlanden, wo BMX-Fahren Schulsport ist. Immerhin: Sieben jugendliche Hoffnungsträger fahren zurzeit im deutschen Kader. In London, 2012, sollen sie dabei sein.

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