Sport : Sprungbrett Asien

Jürgen Klinsmann hat Marco Engelhardt vom 1. FC Kaiserslautern für die Nationalmannschaft nominiert

Michael Rosentritt

Berlin - In elftausend Meter Höhe wird Marco Engelhardt sich elf Stunden lang mit seiner neuen Realität anfreunden können. Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler vom 1. FC Kaiserslautern sitzt in dem Flugzeug, das die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heute nach Tokio befördern wird. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat den gebürtigen Thüringer für die zehntägige Asienreise (bis zum 22. Dezember) nachnominiert.

Marco Engelhardt wird es nicht stören, dass er nur deswegen zum Auswahlkader gestoßen ist, weil sich in Torsten Frings (FC Bayern) und Frank Baumann (Bremen) gleich zwei Nationalspieler verletzt haben. Wer diese Reise mit Spielen gegen Japan, Südkorea und Thailand mitmacht, erarbeitet sich einen „schönen Vorteil“, sagte Klinsmann. „Die Reise ist arg wichtig für den Teamgeist. Wir möchten als Mannschaft weiter wachsen.“

Der Bundestrainer verteidigte noch einmal die Testspielreise, die viele Bundesligatrainer nach einer langen Saison und einer kurzen Winterpause sehr kritisch sehen. Zwar soll die Mannschaft laut Klinsmann „auch sportlich überzeugen“, aber im Vordergrund stehen so genannte weiche Faktoren. Klinsmann erinnerte an eine Südafrikareise der deutschen Nationalelf im Dezember 1995. Der damalige Bundestrainer Berti Vogts hatte Lothar Matthäus aussortiert und Klinsmann zum Mannschaftskapitän befördert. „Der Star ist die Mannschaft“, war einer der Leitsätze des damaligen Bundestrainers, unter dessen Führung Neulinge wie Babbel und Eilts schnell integriert wurden. „Gemeinsame Erlebnisse wie in Südafrika schmieden zusammen. Dieser Teamgeist war die Basis für den EM-Sieg 1996“, sagte Klinsmann.

Neben Marco Engelhardt werden Patrick Owomoyela (Bielefeld), Torwart Simon Jentzsch (Wolfsburg) und Christian Schulz (Bremen) ihr Debüt im Nationalteam geben können. Schulz wurde noch gestern Abend als Nachrücker für den angeschlagenen Christian Pander (Schalke) berufen. Der Bundestrainer hatte im Vorfeld angekündigt, dass jeder Spieler höchstens zwei der drei Spiele bestreiten wird, um die Belastung zu reduzieren.

Dass kurz vor dem Abflug Franz Beckenbauer von Jürgen Klinsmann gefordert hat, er solle vor der WM 2006 über seine Zukunft als Bundestrainer entscheiden, ließ den 40-Jährigen kalt. Er bleibe bei seiner Entscheidung, sagte Klinsmann. „Die Zusammenarbeit ist erfolgsorientiert. Wenn es bei der WM gut läuft, können wir über alles reden. Wenn die WM aber in die Hose geht, hat sich das Thema sowieso erledigt.“

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