Sport : Spur des Sieges

Der Boxer Danilo Häußler bleibt Europameister und bringt sich in Reichweite eines WM-Kampfes

Michael Rosentritt

Chemnitz. Die Ringschlacht endete für den Sieger auf dem OP-Tisch. Während der unterlegende Glenn Catley aus England mit einer blauen, taubeneigroßen Beule unterm rechten Auge davonkam, musste sich Danilo Häußler einen tiefen Cut an der linken Augenbraue mit vier Stichen nähen lassen. Das ist die ungewollte Trophäe, die Danilo Häußler davontrug. Wichtiger aber: Der 27-jährige Boxer aus Frankfurt an der Oder bleibt Europameister im Supermittelgewicht und darf noch in diesem Jahr auf einen Weltmeisterschaftskampf hoffen.

Was muss ein Boxer nicht alles in Kauf nehmen, um im Geschäft zu bleiben? Vermutlich wird sich Danilo Häußler darüber keine ausführlichen Gedanken gemacht haben. In der Nacht auf Sonntag musste er zum zweiten Mal in seiner Karriere gegen den unbequemen Engländer antreten, weil der schmeichelhafte Punktsieg des Deutschen im März vorigen Jahres viele Fragen offen gelassen hatte. Der europäische Verband hatte den Rückkampf angeordnet. Und er hielt, was er versprach. Wenn auch nur fünfeinhalb Runden lang. Dann nämlich brach Ringrichter Bob Logist aus Belgien den Kampf wegen des tiefen Cuts über Häußlers linkem Auge ab, der von einem unabsichtlichen Kopfstoß Catley in der ersten Runde verursacht worden war. Häußler wurde zwar in jeder Ringpause behandelt, doch die Blutungen am Auge bekam man in seiner Ringecke nicht in den Griff. Der Cut riss immer wieder auf. Dem Reglement entsprechend wurden die Punktzettel der drei Richter zum Zeitpunkt des Abbruchs ausgewertet. Häußler lag bei allen vorn. Wäre der Kampf vor Ende der vierten Runde abgebrochen worden, hätte es ein technisches Unentschieden gegeben, und Häußler hätte den Titel ebenfalls behalten.

„Ich wusste nicht, was ich mit dem Cut anfangen sollte“, sagte der Sieger auf der mitternächtlichen Pressekonferenz. „Auf dem linken Auge habe ich zwischenzeitlich nichts gesehen. Ich war ständig damit beschäftigt, mir das Blut aus dem Auge zu wischen.“ Insofern war bemerkenswert, dass er noch in der ersten Runde Catley mit einem fulminanten rechten Haken von den Beinen holte. Der Engländer wurde angezählt. Die zweite Runde gab Häußler ab, bis zum Abbruch aber dominierte wieder der Deutsche.

„Im Interesse der Gesundheit war das eine richtige Entscheidung“, sagte Häußlers Trainer Manfred Wolke. „Schade für die Zuschauer“, sagte Häußler ins Ringmikrofon, „ich hätte gern mehr gezeigt.“ Dazu wird er demnächst reichlich Gelegenheit bekommen. Für Häußler war es die fünfte erfolgreiche Titelverteidigung. Es war sein 21. Sieg in seinem 21. Profikampf, der ihn auf Rang zwei der IBF-Rangliste und in die Reichweite eines WM-Kampfes bringt. Titelträger bei der International Boxing Federation in dieser Gewichtsklasse ist Sven Ottke. Und der ist wie Häußler angestellt bei Promoter Wilfried Sauerland. Stallduelle vermeidet man im Boxen gern. Da trifft es sich gut, dass Ottke am 15. März in Berlin einen Titelvereinigungskampf gegen Byron Mitchell bestreitet. Der US-Amerikaner ist Weltmeister der World Boxing Association (WBA). „Wenn Sven gewinnt, könnte er seinen IBF-Titel ablegen. Um diesen vakanten Titel könnte Danilo kämpfen“, sagte Sauerland. Häußlers Gegner hieße dann Antwun Echols aus den USA, der in der IBF-Rangliste auf Position eins steht. Das Sauerland-Team könnte in diesem Limit sogar bald drei Weltmeister stellen. Anfang April fordert Markus Beyer Eric Lucas heraus. Der Kanadier ist Weltmeister des World Boxing Council (WBC). „Diese Stückelung haben wir nicht erfunden“, sagt Sauerland, „wir streben mit Sven Ottke im März ja die erste Titelvereinigung an.“

Bis dahin wird Häußlers Narbe verheilt sein. Kurz nach dem nächtlichen Eingriff hatte er bereits gescherzt: „Die haben mir gesagt, dass ich besser aussehe als vorher.“

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