Sport : SSV Ulm 1848: Aus dem Traum wird ein Trauma

Oliver Trust

Der Schwimm und Sportverein aus Ulm ist auf dem besten Weg, in der Fußballszene richtig berühmt zu werden. Es ist schließlich eine Leistung, erst aus der Regionalliga bis in die Bundesliga aufzusteigen und dann praktisch ohne Zwischenstopp gleich wieder dahin zu steuern, wo man herkam. Dem Zeugwart der Ulmer ist zu wünschen, dass er dieses kleine verrostete Schild noch hat, das noch zu Bundesligazeiten am Trainingsplatz hing. "Nur für die Regionalliga-Mannschaft" stand da drauf. Jetzt, wo die Ulmer Zweitligafußballer wieder kurz vor der Rückkehr ins Amateurlager stehen, hat einer die Drahtschere geholt und das Ding abgezwickt. Es ging eben alles ziemlich schnell. Das macht schwindelig. Vielleicht ist so das unglaubliche Chaos in Ulm und um Ulm zu erklären.

Mit Hermann Gerland musste jetzt der zweite richtige Trainer gehen. Nach Martin Andermatt hatte der Marketingchef mit A-Lizenz, Peter Assion, den Job übernommen. Jetzt, da sie auch Gerland erst einmal heim nach Westfalen auf seinen Bauernhof geschickt haben, ist wieder der Zeitarbeiter Assion da. Den allerdings wollten nicht alle. Weil Assion gegen Gerland intrigiert haben soll, liegt eine Abmahnung in seiner Personalakte. Die Mannschaft hatte sich für Manager Erich Steer als neuen Trainer ausgesprochen und gegen Gerland. So richtig weiß wohl keiner mehr, was an der Donau los ist. Gerland jedenfalls heuert wieder bei Bayern München an, dort war er schon mal Amateurtrainer. Ottmar Hitzfeld bestätigte: "Er kommt zur nächsten Saison wieder, nur die Funktion ist noch unklar."

Vor ein paar Monaten wechselten die Ulmer unter lautem Getöse das Präsidium. Vorgänger und Nachfolger machten sich nach Kräften das Leben schwer. Die Profifußballer wurden aus dem "Verein SSV Ulm" in eine Leistungssport AG ausgelagert. Die Welt hing voller Geigen. Das Ulmer Modell stand bei allen kleinen Klubs Pate. Etwas ganz Großes sollte da wachsen mit wenig Geld und viel Pfadfinderpathos: Einer für alle, alle für einen. Heute steht der Klub vor einem Scherbenhaufen. Neulich erst verlor der Verein einen Prozess gegen den ehemaligen Partner Kinowelt. Der Rechteverwerter hatte dem alten Präsidium ein Aktienpaket überlassen und irgendwie als Spende deklariert, wenn eine Werbegesellschaft gegründet wird. Das passierte nicht. Die Ulmer aber hatten die Aktien schon als Bankbürgschaft für Spielereinkäufe eingesetzt. Jetzt will Kölmel Geld sehen. Drei Millionen offiziell. Besteht die Kinowelt, die im März 2000 ihre Aktien zurück haben wollte, aber auf dem Wertausgleich der inzwischen gesunkenen Aktien, sind sechs Millionen Mark fällig. Für nächste Woche Mittwoch haben die verzweifelten Ulmer ihre 18 500 Mitglieder zusammen gerufen. Sie sollen pro Kopf 200 Mark spenden, damit die drei Millionen zusammen kommen. Die Begeisterung der Mitglieder hält sich in Grenzen. Was einst als Ulmer Märchen begann, ist zu einem Albtraum verkommen.

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