Sport : Staat im Staate

Steffen Hudemann

Das Kaminzimmer des Bremer Rathauses ist ein Ort, an dem Staatsverträge unterzeichnet werden. Umgeben von roten Seidentapeten und edlem Stuck, direkt vor dem Kamin aus französischem Marmor nahm gestern Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs Platz, um seinen Vertrag bis 2009 zu verlängern. Die Vereinbarung zwischen Werder Bremen und dem vielleicht wichtigsten Mitarbeiter ist zwar kein Staatsvertrag im engeren Sinne, kommt einem solchen aber ziemlich nahe.

Zum einen ist Allofs neben Trainer Schaaf, der seinen Vertrag schon bis 2008 verlängert hat, Begründer des Bremer Fußball-Aufschwungs, zum anderen gehören Fußball und Politik in der Hansestadt enger zusammen als anderswo. Das kleinste Bundesland ist stolz auf seine Eigenständigkeit. Dazu gehören nicht nur eine eigene Landesregierung und ein eigenes Parlament. Dazu gehören auch eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt und ein erfolgreicher Fußballverein. Die familiäre Verbundenheit der ganzen Stadt mit „ihrem“ SV Werder ist Teil des Bremer Erfolgsgeheimnisses. Einen vergleichbaren Rückhalt können der HSV oder Hertha BSC schon aufgrund der Größe von Hamburg und Berlin nie erreichen.

Wenn Klaus Allofs irgendwann seine Aufgabe bei Werder beendet hat, kann er sicher sein, dass die Landespolitik noch einen Job für ihn bereit hält. Sein Vorgänger Willi Lemke hat es immerhin bis zum Bildungssenator gebracht.

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