Stadionverbote : Strafe auf Zeit

Bei seinem ersten Fankongress bringt der DFB Stadionverbote auf Bewährung ins Spiel. Nach jahrelanger Abneigung fällt Fußballfans und Funktionären der Dialog schwer.

Matthias Sander[Leipzig]

LeipzigEs hatte alles so gut angefangen: Als Theo Zwanziger im Oktober 2006 zum alleinigen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt wurde, schlug er als eine seiner ersten Amtshandlungen Fanvertretern eine gemeinsame Tagung vor. Das jahrelange Schweigen zwischen Offiziellen und Fußballfans sollte endlich ein Ende haben. An diesem Wochenende nun fand der erste Fankongress des DFB in Leipzig statt – und zeigte: Die Kooperation fällt beiden Seiten noch schwer.

Nach dem ersten Arbeitstag war am Samstagabend die Stimmung bei den Fanvertretern zunächst denkbar schlecht. Bei einer Krisensitzung besprachen Vertreter der Faninitiativen, wie man bei der Pressekonferenz am folgenden Tag auftreten solle, berichtete Philipp Markhardt von der Gruppierung „Pro Fans“. Denn beim zentralen Thema Stadionverbote wollte der DFB nicht lockerlassen. Den Fans ging es darum, mit der aus ihrer Sicht teilweise willkürlichen Aussprache von Stadionverboten Schluss zu machen. Demnach sollen die Spielräume bei der Länge der Strafe sowie ein Anhörungsrecht für betroffene Fans auch wirklich genutzt werden. Derzeit gelten in Deutschland etwa 3000 Stadionverbote.

Die Wende kam dann erst am Sonntag, ironischerweise im Diskussionsforum „Spannungsfelder“. Hier wurde über die Stadionverbote diskutiert. Der DFB in Person seines Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn sicherte eine Überarbeitung der Vergaberichtlinien zu, die im Januar 2008 in Kraft treten und eventuell auch rückwirkend gelten soll. „Ein Stadionverbot auf Bewährung ist denkbar“, kündigte Spahn an.

Transparenz, Gerechtigkeit, Einzelfallbeurteilung. Das waren Spahns Versprechen für die Überarbeitung der Stadionverbote. Die Fanvertreter begrüßten diesen Schwenk, blieben aber angesichts der vagen Formulierungen skeptisch. „Das muss jetzt schnell und konkret umgesetzt werden“, forderte Matthias Scheurer von der Fanvereinigung „Unsere Kurve“.

Dass der Kongress überhaupt stattfand, wurde immerhin allenthalben gelobt; dies sei vor kurzem noch unmöglich gewesen. „Aber für uns ist interessant, was am Ende wirklich herauskommt“, sagte Stefan Winden, ebenfalls Vertreter von „Unsere Kurve“, zum allgemeinen Empfinden der Fans.

Wie die Delegierten den Kongress bewerteten, hing auch davon ab, in welchem der fünf Foren sie saßen. Im Forum Fankulturen etwa „wurden viele Möglichkeiten vergeben, weil keine Ansprechpartner da waren, vor allem nicht von den Vereinen“, kritisierte Martin Endemann vom „Bündnis aktiver Fußballfans“. Die Arbeitsgruppe Fanutensilien, die einheitliche Regeln zur Mitnahme von Fahnen und Trommeln erarbeitete, konnte so gar nicht die Machbarkeit ihrer Vorschläge abschätzen. Auch in anderen Foren seien Polizisten, Richter sowie Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball-Liga sehr rar gewesen, bemängelten die nach Leipzig gereisten Fanvertreter. Und so fanden manche Delegierten die Diskussionen ziemlich „eindimensional“, für andere haben sie „gar nicht erst stattgefunden“. In diesen Momenten zeigte sich, dass das jahrelange Misstrauen zwischen Fans und Offiziellen sich nicht an einem Wochenende wegdiskutieren lässt.

Der Dialog zwischen DFB und Fans soll weitergehen, bleibt aber schwierig. Wohl auch deshalb trug der erste Fankongress den vorsichtigen Titel: „Fußball ist unser Leben – eine Annäherung“.

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