Sport : Stanislawski geht, Babbel soll kommen Spektakuläre Rochade bei der TSG Hoffenheim

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Wohl um dem befürchteten Trubel zu entgehen, trafen sich Ernst Tanner und Holger Stanislawski nicht im Trainingszentrum in Zuzenhausen, sondern in Hoffenheim. An jenem Ort also, wo die TSG Hoffenheim groß geworden war. Dort besiegelte man in aller Eile eine Partnerschaft, die als großes Missverständnis gelten darf und bereits nach nur sieben Monaten zu Ende ging. Holger Stanislawski ist nicht mehr Trainer des Fußball-Bundesligisten. Seine Nachfolge wird wohl der vor Kurzem bei Hertha BSC entlassene Markus Babbel antreten. Schon am Samstag in Bremen wird er auf der Bank sitzen. „Wir werden am Freitag eine Lösung präsentieren“, sagte Tanner.

„Die Sache ist durch“, bestätigte Stanislawski, bevor er sich gestern Nachmittag von der Mannschaft verabschiedete. Trainer und Vereinsführung einigten sich im Anschluss an die Niederlage im Pokal-Viertelfinale gegen Greuther Fürth „einvernehmlich auf eine Auflösung des bis zum 30. Juni 2014 datierten Vertrages“, hieß es in der Vereinsmitteilung. Tanner sagte weiter: „Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer. Doch nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit zu beenden. Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür sicherlich ausschlaggebend.“

In den vergangenen Wochen drängte sich der Eindruck auf, der 42 Jahre alte Stanislawski provoziere seinen Abgang. Desillusioniert vom schwierigen Umbau des zu teuren Kaders schreckte der ehemalige St.-Pauli-Trainer nicht einmal mehr vor der direkten Konfrontation mit Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp zurück. Dem habe er gesagt, wie hinderlich seine dauernde Einmischung sei. Eine derartige Majestätsbeleidigung lasse sich der nicht gefallen, heißt es aus dem Umfeld des Klubs. Hopp hatte seinen Trainer mit öffentlichen Kommentaren seit Wochen vorgeführt und provoziert. Zudem zeigten sich im Verhältnis zu Manager Tanner bald Risse. Stanislawski machte seinem Unmut in diversen Brandreden Luft und fuhr in zehn Spielen zuletzt nur einen Sieg ein.

Babbel gilt den Hoffenheimern als sinnvollste Lösung nach dem extrovertierten Stanislawski. Dem Münchner war Berlin zu laut und aufgeregt. Mitte Dezember, als Babbel mit Hertha in Hoffenheim spielte und entlassen wurde, kam es bei der Pressekonferenz zu folgendem Wortwechsel der beiden Trainer. „Herr Babbel, gehen Sie davon aus, dass Sie da noch da sind?“, fragte Stanislawski im Hinblick auf die zwei Tage später stattfindende Weihnachtsfeier bei Hertha. Babbel stutzte kurz und antworte launig „Arschloch!“ – und mit einer Umarmung.

Einen Tag später wurde Markus Babbel in Berlin entlassen.

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