Sport : Star in der Krise

Leipzigs Bürgermeister Tiefensee gerät in politische Nöte

Robert Ide

Lange nach der Sitzung der deutschen Olympiaplaner saßen Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in der Lobby eines Düsseldorfer Hotels. „Das war kein Wehrdienst“, redete Milbradt auf Tiefensee ein. „Das war eine Verpflichtung bei einem Stasi-Regiment.“ Tiefensee schüttelte den Kopf. Irgendwann gab er es auf, sich zu verteidigen.

Der Leipziger Bürgermeister hat keine gute Zeit. Sein Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2012, Dirk Thärichen, wurde abberufen. Dienst bei der Stasi, geschönter Lebenslauf, undurchsichtige Geldflüsse zur Beratungsfirma Pentacom, Verdacht auf Untreue – den Olympia-Funktionären reichte das zur fristlosen Kündigung des Mannes, an dem Tiefensee lange festgehalten hatte.

„Ich bin bitter enttäuscht von Herrn Thärichen“, sagte Tiefensee auf einer Pressekonferenz. „Ich wollte menschlich zu ihm stehen, aber es ging nicht mehr.“ Milbradt unterbrach ihn, ergriff das Wort: „Ich möchte einen Satz dazu sagen: Ich wusste bei der Einstellung nichts von Herrn Thärichens Stasi-Vergangenheit.“ Tiefensee schwieg öffentlich.

Auch bei der Sitzung der Bewerbungsgesellschaft war der einstige Star Leipzigs in die Defensive geraten. Nach Angaben von Teilnehmern soll Tiefensee gefragt worden sein, ob er nicht auf seine eventuelle Kandidatur beim sächsischen Landtagswahlkampf 2004 verzichten wolle, um politische Querelen um Olympia zu vermeiden. Schließlich wäre Amtsinhaber Milbradt (CDU) – wie Tiefensee (SPD) im Aufsichtsrat der Olympiagesellschaft – dann sein Konkurrent. Tiefensee will mit seiner Entscheidung bis zum Frühjahr warten, heißt es aus seiner Umgebung.

Leipzigs Bürgermeister hat keine gute Zeit. Am Wochenende gab er zu: „Ich bin kein Krisenmanager.“

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