Sport : Stark, ohne zu siegen

Das Spitzenspiel Juventus Turin gegen AC Mailand endet 1:1

Julius Müller-Meiningen

Rom. Kein Aufwand schien zu groß für das Spitzenspiel der Serie A, AC Mailand gegen Juventus Turin, Tabellenführer gegen den Zweiten. Als Ersatz für das überstrapazierte und zerpflügte Feld im Giuseppe-Meazza-Stadion waren aus Frankreich sogar frische Rasenstücke importiert worden. 45 Minuten lang schien der Aufwand übertrieben, so vorsichtig und zäh agierten beide Teams. Erinnerungen an das Champions-League-Finale wurden wach, bei dem der AC Mailand nach 120 mühsamen und torlosen Minuten erst im Elfmeterschießen gegen Juventus obsiegte. In Anspielung an das Endspiel vom Mai konnte Milans Trainer Carlo Ancelotti nach dem 1:1 ironisch anmerken: „Im Elfmeterschießen hätten wir gewonnen.“

Beide Mannschaften ließen kaum Angriffe des Gegners zu. Gefährlicher allerdings waren von Beginn an die Turiner Spieler, die die erste Halbzeit mit einem scharfen Linksschuss von Pavel Nedved und mit diversen Handgreiflichkeiten vor der Ereignislosigkeit bewahrten. Erst nach der Pause konnte das Spiel halten, was es auf dem Papier versprochen hatte. Vor allem Juventus Turin hatte mehrere ausgezeichnete Möglichkeiten. Völlig freistehend schoss Marco di Vaio volley aus zehn Metern an den rechten Außenpfosten. Kurz darauf hielt der ausgezeichnete Dida einen Schuss von David Trezeguet. In diese beste Phase von Juventus Turin fiel dann nach einer guten Stunde das 1:0 durch den Dänen Jon Dahl Tomasson. Camoranesi löste sich zu langsam aus der Abwehr, hob so Tomassons Abseitsposition auf, der den Ball nach Zuspiel von Pirlo ungestört an Buffon vorbeischieben konnte.

Der Rest des Geschehens spielte sich schließlich zwischen Marco Di Vaio und Torwart Dida ab. Einen Kopfball des Turiner Stürmers konnte der Milans Torwart noch mühevoll abwehren. Dem wundervollen Ausgleichstreffer zum 1:1 kurz vor Schluss musste Dida hinterherschauen. Einen Steilpass von Tacchinardi ließ Trezeguet kurz abprallen. Mit dem linken Fuß nahm Di Vaio den Ball aus der Luft und schoss ihn aus gut 20 Metern ins linke Kreuzeck.

Das Tor war Versöhnung mit der ersten Halbzeit und legte sich wie ein Beruhigungsmittel auf die Turiner Seelen. Juves Trainer Marcello Lippi sagte: „Meine Mannschaft hat mir ausgezeichnet gefallen, mit ihrer Autorität und ihrer Persönlichkeit auf dem Platz. Manchmal fühlt man sich stark, auch wenn man nicht gewinnt. So war das heute."

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