• STEILPASS Inland: Auf Jahre unschlagbar? Lars Spannagel traut internationalen Lobgesängen auf die Bayern nicht

STEILPASS Inland : Auf Jahre unschlagbar? Lars Spannagel traut internationalen Lobgesängen auf die Bayern nicht

Nach großen Spielen lese ich gerne, was die Kollegen von der internationalen Presse geschrieben haben. In diesen gedruckten Momentaufnahmen ist alles klar, der sonst so undurchsichtige Fußball erscheint kristallin und logisch. In dieser Woche beispielsweise weiß ganz Europa – so steht es in fetten Schlagzeilen geschrieben – dass der deutsche Fußball dank BVB und FCB das Nonplusultra ist.

Ein paar Beispiele gefällig? Der FC Bayern habe die „Wahrheit über den Fußball aufgezeigt“, heißt es in spanischen Zeitungen, das Spiel der Münchner sei „keine Sportart oder Show, sondern ein militärisches Manöver“. Die Italiener dürfen lesen, Dortmunds Spiel „nähere sich der Perfektion an“, Bayerns Auftritt gegen Barcelona habe gewirkt, „als würde eine fleischfressende Pflanze ein Insekt schlucken“. England raunt von einem „Statement der deutschen Macht“ und lobt beide Mannschaften: „Dortmund ist kühn und Bayern entschlossen.“ Quer durch Europa sucht man nach Wörtern für das, was der deutsche Fußball mit der Konkurrenz gerade angestellt hat, „gefoltert“, „zerfetzt“, „verprügelt“, „zerquetscht“.

Wenn ich solche Zeilen lesen, denke ich gerne an Franz Beckenbauers Aussage nach dem deutschen WM-Triumph 1990 zurück: „Es tut mir Leid für den Rest der Welt, aber diese Mannschaft wird auf Jahre hinaus nicht zu schlagen sein.“ Wie man heute weiß, irrte der Kaiser. Ähnliches soll manchmal sogar bei Journalisten vorkommen (habe ich gehört). Insofern ist es beruhigend, dass die spanische „El Mundo“ in ihren Lobgesang einen doppelten Boden einbaute: „Nur ein Wunder oder der Fußball selbst kann Bayern den Titel entreißen.“ Der Fußball selbst, soso. Ganz so logisch scheint das alles wohl doch nicht zu sein.

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