STEILPASS Inland : Gedränge am Wühltisch

Stefan Hermanns über Sinn und Irrsinn von Wintertransfers.

Foto: Thilo Rückeis

Barrios will gehen, muss aber bleiben. Lakic soll gehen, Lakic geht, Lakic bleibt, Lakic geht doch! Helmes will gehen, Helmes soll gehen – Helmes bleibt. Schade, dass die Transferperiode II mit all ihren schönen Gerüchten schon wieder vorbei ist. Dafür, dass Wintertransfers ähnlich beleumundet sind wie Mitarbeiter von Inkassounternehmen, war in der Bundesliga doch wieder überraschend viel los.

Es ist eben immer das Gleiche: Im Oktober sagt jeder halbwegs seriöse Manager, dass – Stand heute – im Winter keine Transfers geplant seien. Im November wird die Aussage um den Nachsatz ergänzt: Wir halten die Augen offen, und wenn sich was ergibt … Im Januar stürzen sich dann alle auf die Wühltische. Ein bisschen was geht immer, zumindest solange uns Felix Magath erhalten bleibt. Nur seriöse Klubs wie die Bayern scheuen den Irrsinn. „Ich habe noch nie erlebt, dass man im Winter richtig gute Transfers tätigt“, sagt ihr Trainer Jupp Heynckes.

Mit der Aussage verhält es sich wie mit allen verallgemeinernden Aussagen: Sie ist Blödsinn. Natürlich ist das Angebot im Sommer deutlich größer; das liegt daran, dass die Verträge am 30. Juni enden, nicht am 31. Dezember. Und trotzdem bietet der Markt auch im Winter so manches Schnäppchen, Spieler, die im Sommer nicht zu haben waren, die sich aber seitdem mit, sagen wir, Felix Magath verkracht haben. Der Brasilianer Lucio ist im Winter in die Bundesliga gekommen, genauso Matthias Sammer, Werder Bremen hat Mesut Özil zur Rückrunde aus Schalke geholt, und die Stammelf von Borussia Mönchengladbach, die gerade die Bundesliga rockt, besteht zu 45,45 Prozent aus Wintertransfers. Wie gut die sind, könnte man ja mal Jupp Heynckes fragen.

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