Steilpass : Sofort Gelb für Reklamierer!

Ausgerechnet in Italien sollen die Schiedsrichter jetzt konsequenter gegen reklamierende Fußballprofis vorgehen. Markus Hesselmann hält die Rechtslage für klar: Jedes Mal sofort Gelb! Aber was hätte das für Folgen?

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Markus Hesselmann leitet die Online-Redaktion des Tagesspiegels.
Markus Hesselmann leitet die Online-Redaktion des Tagesspiegels.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Kann ich meine Fußballleidenschaft zurückgeben? Kriege ich dafür was erstattet? Die Sopranos-Gesamtausgabe auf DVD? Eine Jahreskarte für den Zoo mit der Familie? W.G. Sebalds gesammelte Werke?

Der eine oder andere Fußballprofiversteher mag diese Reaktion für überzogen halten. Aber mir verdirbt die gefühlt immer noch zunehmende Reklamiererei bei Schiedsrichterentscheidungen den Spaß am Fußball. Ich möchte nicht, dass sich meine sportlichen Helden wie verzogene Blagen benehmen und damit die Aura des schönen Spiels schädigen.

Doch es gibt Hoffnung – aus Italien! Derzeit ist die Serie A zwar nicht gerade ein Hort feinster Fußballkultur. Das war zuletzt wieder bei Sampdorias Auftritt gegen Bremen erkennbar. Immerhin aber wurden die italienischen Schiedsrichter vor der jetzt beginnenden Saison angewiesen, konsequenter gegen die Reklamiererei vorzugehen.

Die Rechtslage ist ohnehin klar: „Dissent by word or action“ ist eine der sieben Sünden, die laut den beim Weltverband Fifa hinterlegten „Laws of the Game“ zur Gelben Karte führen. „Protestieren/Reklamieren durch Worte oder Handlungen“ heißt das in der deutschen Übersetzung der Fußball-Regeln. Und das gilt nicht erst nach wiederholtem Fehlverhalten, sondern sofort, unverzüglich.

Würde das exakt so umgesetzt, wäre derzeit jedes professionelle Fußballspiel nach zehn Minuten beendet. Denn ein anderer Punkt der „Laws of the Game“ besagt, dass eine Mannschaft nicht weniger als sieben Spieler auf dem Platz haben darf.

Markus Hesselmann schreibt hier freitags im Wechsel mit Stefan Hermanns und Jens Kirschneck über Fußballkultur - Kirschneck über Frauenfußball, Hermanns über den deutschen Fußball, Hesselmann über den Fußball im Ausland.

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