Steilpass : Warum RB Leipzig unser Leicester City ist

Unser Autor erklärt, warum Leicester City nicht für das Gute und RB Leipzig nicht für das Schlechte im Fußball stehen. Es gibt sogar einige Parallelen.

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Die Leipziger Fans feuern ihre Mannschaft an.
Die Leipziger Fans feuern ihre Mannschaft an.Foto: dpa

Ich kann es nicht mehr hören: Die Fahrstuhlmannschaft Leicester City ist Meister in England – die großartigste Geschichte, die der Sport je geschrieben habe!

Warum, fragen viele, gibt es so eine Cinderella-Story nur in der kapitalistischen Premier League und bei uns in der Bundesliga wird Bayern München zum achthundertsten Mal in Serie Meister?

Davor ekeln sich viele Fans vor dem Wochenende genauso wie vor dem drohenden Aufstieg von Red Bull, genannt Rasenballsport, Leipzig. Warum eigentlich? Im Prinzip ist RB Leipzig das Leicester City Deutschlands.

Bevor ich jetzt von Traditionalisten gesteinigt werde, lassen Sie mich ausführen: Leicester ist 27 Mal auf- und abgestiegen, okay. Die Fußballstadt Leipzig ist aus der ersten Liga abgestürzt, der neue Verein in Markranstädt dann von der fünften Liga aus hochmarschiert. Finanziert wurde das jeweils von einem Milliardär: in Leipzig von einem österreichischen Getränke-Importeur, in Leicester von einem Unternehmer aus Thailand, übrigens das Heimatland von Red Bull.

Leicester hat vor der Saison 50 Millionen Euro in Neuzugänge investiert

Ja, aber RB verschafft sich durch sein Konstrukt einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil, sagen die Kritiker. Ja, den hat sich Leicester angeblich auch verschafft, als der Klub noch in der Zweiten Liga verdeckte Zahlungen des Eigentümers erhielt und damit das Financial Fairplay umging. Von Dopingvorwürfen gegen Leicester ganz zu schweigen.

Ja, aber Leipzig kauft sich den Erfolg mit Millionen zusammen, und Leicester operiert mit ganz kleinem Budget, könnte man jetzt dagegenhalten. Leicester hat vor der Saison umgerechnet 50 Millionen Euro in Neuzugänge investiert, der Bundesliga Spieler wie Shinji Okazaki weggekauft; in Deutschland haben nur drei Vereine mehr ausgegeben.

Aber Leicester hat Stürmer Jamie Vardy in der fünften Liga entdeckt! Leipzigs bester Spieler Dominik Kaiser spielte in der vierten Liga schon dort … Und wer jetzt sagt, bei RB ginge es nur darum, ein Produkt zu bewerben, der hat nie die Leicester-Fanshops gesehen, die Kunden in die Shopping Malls des Hauptsponsors in Thailand locken sollen.

Natürlich hinkt der Vergleich, wie jeder Vergleich. Man darf auch RB Leipzig gerne weiter blöd finden und Leicester gut. Was ich nur sagen will: Hört auf mit den scheinheiligen Superlativen, Schluss mit bösen Teufeln und Cinderella! Im Profifußball gibt es keine Märchen, außer die, die man glauben will.

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