Sport : Still ruht der Star

Kevin Durant ist bei der Basketball-WM der einzig erstklassige Spieler eines zweitklassigen US-Teams

von

Alle wissen, was kommt. Kevin Durant hat den Ball gefordert, jetzt hat er ihn in den Händen und dreht sich um in Richtung Korb. Seine litauischen Gegenspieler sind zum Zuschauen verdammt, wie das restliche Publikum in der Sinan-Erdem-Arena von Istanbul. Eine Täuschung nach rechts, ein Dribbling nach links, ein Wurf über seinen Gegner hinweg. Immer wieder versuchen die Litauer am Samstagabend, den 21-jährigen Durant im Halbfinale der Basketball-WM irgendwie zu stoppen. Es gelingt ihnen nicht. Die USA gewinnen am Ende 89:74 (42:27) und treffen im heutigen Finale (20.30 Uhr, live bei Sport1) auf Gastgeber Türkei, der Serbien in einem dramatischen Halbfinale mit 83:82 (35:42) besiegte.

„Als Coach hast du dafür zu sorgen, dass dein bester Spieler den Ball bekommt“, sagt der amerikanische Trainer Mike Krzyzewski über die Strategie seiner Mannschaft bei dieser WM. Dass er damit Kevin Durant meint, ist keine Frage. Gegen Litauen hat der Flügelspieler schon nach sieben Minuten unglaubliche 17 Punkte erzielt, am Ende sind es 38 – amerikanischer Rekord für ein WM-Spiel.

Ihren ersten Weltmeistertitel seit 1994 können die USA nur durch Durant gewinnen. Das komplette Team um LeBron James und Kobe Bryant, das 2008 Olympiagold in Peking gewann, pausiert in diesem Sommer. Schon nach zwei WM-Spielen schrieb die „New York Times“: „Diese Mannschaft wird so weit kommen, wie Durant sie tragen kann.“ Die Amerikaner haben ein – zugegebenermaßen immer noch sehr eindrucksvolles – B-Team nach Istanbul geschickt, mit einem einzigen wirklichen A-Spieler. „Wir mussten uns noch nie so sehr auf einen Einzelnen verlassen“, sagt Mike Krzyzewski, der das amerikanische Team seit fünf Jahren betreut. „Es lastet ein großer Druck auf ihm, aber er hat bisher glänzend darauf reagiert.”

In der vergangenen Saison, seiner dritten in der NBA, erzielte Durant 30,1 Punkte pro Spiel und war damit der beste Werfer der Liga, als jüngster Spieler aller Zeiten. Bei der WM hat er bisher im Schnitt 22 Punkte erzielt. Für die Verteidigung des Gegners ist Durant ein kompletter Albtraum. Der schlaksige Flügelspieler ist für seine Größe von 2,06 Meter sehr beweglich, er kann hervorragend dribbeln, hoch springen und trifft sicher aus der Distanz. „Ich versuche, keine Aktionen zu erzwingen, sondern das Spiel zu mir kommen zu lassen“, sagt Durant. In der Verteidigung hilft ihm seine enorme Spannweite von 2,25 Meter dabei, Pässe abzufangen, Schüsse zu blocken und generell einschüchternd zu wirken.

Während die beiden Routiniers Chauncey Billups und Lamar Odom lautstark Anweisungen an die Mannschaft geben, macht Durant auf dem Feld kaum einmal den Mund auf. Nach seinem Dreipunktewurf zum 82:64, der die Niederlage der tapfer kämpfenden Litauer endgültig besiegelt, schlägt er sich aber mehrmals demonstrativ auf den „USA“-Schriftzug auf seiner Brust und salutiert ins Publikum. Als Krzyzewski ihn in der Schlussminute vom Feld nimmt, fordert der Amerikaner Andre Iguodala die Zuschauer zum Applaudieren auf, selbst der litauische Block gehorcht. „Kevin ist unglaublich“, sagt Iguodala. „Er spielt hier auf einem ganz anderen Niveau als der Rest. Und er ist erst 21.“

Durant selbst gehen die vielen Fragen, die ihm zu seinem Rekordspiel gestellt werden, sichtlich auf die Nerven. Er antwortet brav, aber relativ gelangweilt. „Jetzt brauchen wir nur noch einen Sieg, um die Goldmedaille zu holen“, sagt Duran. „Deswegen sind wir hier.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben