Sport : Stille Post

Der Streit um Friesingers Eisschnelllauf-Trainer ist auch ein Problem der internen Kommunikation

Frank Bachner

Berlin - Claudia Pechstein lehnte sich entspannt zurück. Sie leidet noch ein bisschen an einer Erkältung, das ist gerade ihr größtes Problem, mehr interessiert sie nicht. „Ich konzentriere mich auf mich, das Thema mit Anni kann mir ziemlich egal sein.“ Claudia Pechstein, die fünfmalige Olympiasiegerin, hat seit Jahr und Tag Joachim Franke als Trainer, der hat sie zum Eisschnelllauf-Weltstar geformt, und er steht beim Weltcup in Berlin (Freitag bis Sonntag) auch ganz offiziell als ihr Trainer auf dem Eis. Bei Anni Friesinger, ihrer Konkurrentin, ist da weniger klar. Seit ein paar Tagen, seit seinem Rücktritt als aktiver Läufer, kümmert sich der holländische Doppel-Olympiasieger Gianni Romme ausschließlich um das Training der 29-Jährigen, aber sein offizieller Status ist noch völlig ungeklärt. Darf er aufs Eis? Muss er von der Tribüne aus coachen?

Eigentlich wollte Gerd Heinze gestern vor allem über die deutschen Chancen beim Weltcup referieren, aber nun musste der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) bei der Pressekonferenz doch über das leidige Thema Romme referieren, das seit Tagen alle sportlichen Ergebnisse überdeckt. „Wir hoffen, dass wir in Kürze eine Lösung finden“, sagte Heinze.

Die Lösung könnte eigentlich ganz einfach aussehen. Romme müsste nur einen Trainervertrag mit den üblichen Punkten unterschreiben. Der Trainer unterwirft sich den Anti-Doping-Richtlinien und akzeptiert die Sponsoren des Verbands, solche Dinge stehen drin. Dann dürfte er die Trainingsjacke der DESG überstreifen und Friesinger auf dem Eis coachen. „Wir könnten ihm einen Honorarvertrag anbieten, der Wettkämpfe umfasst und bestimmte Reisekosten abdeckt“, sagt Heinze. Aber ohne Unterschrift keine Jacke, ohne Jacke kein Auftritt auf dem Eis, so einfach ist das.

Das Ganze ist auch mal wieder ein Kommunikationsproblem, nichts Neues bei der DESG. Dass Friesinger sich von ihrem früheren persönlichen Coach und dem jetzigen Frauenbundestrainer Markus Eicher völlig löst und ganz auf Romme setzt, hat Heinze aus der Zeitung erfahren. Weder Eicher noch Friesinger hatten ihm das mitgeteilt. Dass sie Romme als ihren Trainer beim Weltcup in Heerenveen akkreditieren lassen wollte, hatte sie Heinze vergangenen Donnerstag erklärt, unmittelbar vor Wettkampfbeginn. Der Verband verweigerte Romme die Akkreditierung. Dass der Holländer seinen Rücktritt als Läufer erklärte, erfuhr Heinze auch nur aus der Zeitung, Friesinger hatte ihm nichts gesagt. Und dann verkündete Friesingers Manager Klaus Kärcher auch noch öffentlich, Heinze sei doch nur ein „Frühstücksdirektor“. „Am Montag hat sich Kärcher für seine unflätigen Bemerkungen entschuldigt“, sagt Heinze. Kärcher war gestern nicht zu erreichen.

Dass Romme durchaus bereit ist, zu unterschreiben, hat Heinze aber auch nicht von dem Trainer direkt erfahren. Das, sagte der DESG-Chef, „wurde vom Management signalisiert“, Friesingers Management. „Ich habe die Handynummer von Herrn Romme nicht, warum soll ich ihn anrufen?“, sagt Heinze.

Claudia Pechstein hörte der Diskussion erkennbar gelangweilt zu. Ihr ist eine ganz andere Nachricht wichtig: „Meine ganze Familie wird da sein.“

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