Straubing vor dem DEL-Halbfinale : "Alle sprechen bei uns über die Eisbären"

Die Straubing Tigers sind im Halbfinale um die Deutsche Eishockeymeisterschaft ab Donnerstag Gegner der Eisbären Berlin. Im Interview spricht der Fanbeauftragte über seine Erwartungen für die Play-off-Serie.

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Peter Saller, Fanbeauftragter der Straubing Tigers, bei der Arbeit.
Peter Saller, Fanbeauftragter der Straubing Tigers, bei der Arbeit.Foto: Harald Schindler

Herr Saller, die Straubing Tigers haben erstmals das Halbfinale in der Deutschen Eishockey-Liga erreicht. Herrscht bei Ihnen nun Ausnahmezustand?

Die Euphorie ist riesengroß, in der Stadt sprechen alle über Eishockey. Mein Telefon steht nicht still, auch am Wochenende. Alle wollen noch Karten für die Spiele bekommen. Für uns ist das etwas ganz Besonderes. Wir hatten uns Berlin als Gegner gewünscht, das Duell David gegen Goliath. Begeisterung herrscht nicht nur in Straubing, sondern in der ganzen Region. Weil wir hier nicht die großen Sponsoren haben, müssen wir recht hohe Ticketpreise nehmen. Aber unsere Fans verstehen das. Sie sind bereit, mehr zu zahlen, um Teil des Ereignisses zu sein.

Straubing spielt erst seit 2006 in der DEL. Welche Tradition hat Eishockey bei Ihnen?

In Niederbayern ist Eishockey immer schon sehr wichtig gewesen. Wir haben hier keine großen Fußballvereine. Zwar gibt es auch lokale Rivalitäten, aber im Moment stehen alle hinter den Tigers. Da überwiegt die Solidarität. Wir haben inzwischen Fans aus dem Bayerischen Wald, aus Nürnberg oder Passau.

Was ist das Besondere an der Fankultur in der mit 44 000 Einwohnern einzigen Kleinstadt der Liga?

Das Verhältnis zwischen der Mannschaft und den Fans ist sehr familiär. Nach dem entscheidenden Sieg im Viertelfinale sind die Spieler in die Stadt gegangen, um mit den Fans zu feiern. Sie werden hier überall erkannt und angesprochen, das ist anders als in einer Großstadt. Viele Spieler finden das toll und sagen, sie hätten so eine Stimmung noch nirgends erlebt. Einige versuchen aber auch, eine gewisse Distanz zu wahren.

Wirkt sich das enge Verhältnis von Fans und Mannschaft auch im Spiel aus?

Ja, als wir zum zweiten Viertelfinale nach Wolfsburg fuhren, hatte unser Sonderzug Verspätung. Die Spieler waren erst etwas enttäuscht, dass nur wenige Straubinger Fans in der Halle waren. Als dann während des ersten Drittels 600 dazukamen, änderte sich das Spiel völlig. Das Team hat plötzlich ganz anders gekämpft. Die Mannschaft wollte den Fans, die solche Mühen auf sich genommen hatten, etwas zurückgeben. Es ist für sie eine besondere Motivation, für Leute zu spielen, denen sie täglich begegnen, die sie wirklich kennen.

Was haben Sie für das Halbfinale geplant?

Zum ersten Spiel am Donnerstag werden ein paar Busse nach Berlin fahren. Den wirklich großen Andrang erwarten wir zum zweiten Auswärtsspiel am Ostermontag. Dann gibt es einen Sonderzug, es werden wohl mehr als 700 Fans mitkommen.

Was erwarten Sie in sportlicher Hinsicht?

Unser erstes Ziel ist, ein zweites Heimspiel zu sichern – also eine der ersten drei Partien zu gewinnen. Aber wenn wir ausscheiden sollten, war es trotzdem eine tolle Saison.

Haben Sie eine besondere Beziehung zu den Eisbären-Fans?

Nein, ich hoffe, es wird ein fairer sportlicher Wettkampf. Die ganze Ost-West-Thematik, diese Klischees über Ostdeutsche und Bayern, mag ich überhaupt nicht. Politik sollte außen vor bleiben.

Das Gespräch führte Jan Schröder.

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