Streit mit Lüdenscheid : Asamoah trifft mit Fürth auf Dortmund

Gerald Asamoah trifft im DFB-Pokal-Halbfinale mit seinem neuen Verein Greuther Fürth auf Broussia Dortmund - seinen Lieblingsfeind aus Schalker Zeiten.

Stefan Kröner
Schalke im Herzen. Auch als Fürther kann Asamoah den BVB nicht leiden.
Schalke im Herzen. Auch als Fürther kann Asamoah den BVB nicht leiden.Foto: dapd

Manche SMS wirken besser als jeder Kaffee. Gerald Asamoah war in Sekundenschnelle hellwach, als er am 12. Februar nach dem Aufstehen auf sein Handy schaute. Dort fanden sich unzählige Gratulationen von ehemaligen Mitspielern und Mitarbeitern der Schalker Geschäftsstelle – und zwar zum Pokalgegner. Denn während Asamoah geschlafen hatte, war die Auslosung für das DFB-Halbfinale vonstatten gegangen: Die SpVgg Greuther Fürth trifft am Dienstag (20.30 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de) mit Asamoah auf Borussia Dortmund, oder wie er es sagt: auf Lüdenscheid.

Den Rest des Sonntags verbrachte Asamoah damit, seine ersten zwei Treffer für Fürth zu schießen und somit einen ordentlichen Teil zum 5:1-Sieg über den direkten Konkurrenten Paderborn beizutragen. Mit strahlendem Lächeln beantwortete er die Fragen zur Auslosung in dem zu seiner Zeit auf Schalke erlernten Duktus: „Wir wollen die Lüdenscheider rauskicken.“ Lüdenscheid, jenes Synonym für den Nachbarn prägte die Schalker Fan-Zeitung „Schalke Unser“ Mitte der neunziger Jahre. Seitdem gehört es zum Standardrepertoire der Sticheleien und ist bei einem wie Gerald Asamoah, der elf Jahre für die Gelsenkirchener auflief, mehr als bloße Koketterie.

Die besondere Beziehung zwischen dem Ex-Nationalspieler und Dortmund hat ihren Ursprung im Jahr 2007. Damals lag Schalke mit Asamoah auf der Zielgeraden zur Meisterschaft, bevor es zum Derby nach Dortmund ging. „Wenn wir da die Meisterschaft holen, laufe ich barfuß über die B1 nach Hause“, kündigte Asamoah an. Mit dem saloppen Spruch fühlten sich Dortmunder Spieler und Fans herausgefordert, der BVB siegte 2:0, für Asamoah war es nach eigener Aussage „der bitterste Moment meiner Karriere“.

Gut drei Monate später entwickelten sich die gegenseitigen Aversionen in eine unschöne Richtung. Beim 4:1-Sieg bejubelte Asamoah seinen Treffer zum 3:0, indem er sich mit dem Finger über die Kehle strich. Über die Adressaten der Geste gab es keine zwei Meinungen. Ein Boulevardblatt hatte zudem mit der Hilfe von Lippenlesern einen heftigen Disput zwischen Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller und dem Schalker Stürmer analysiert und schlussfolgerte, Weidenfeller habe Asamoah „schwarzes Schwein“ genannt. Asamoah bestätigte dies, Weidenfeller dementierte, wurde vom DFB jedoch drei Wochen gesperrt. Der Streit wirkt bis heute nach. Asamoah sagt: „Freunde werden wir nicht mehr.“ Nicht nur das heutige Aufeinandertreffen mit Weidenfeller birgt Brisanz, auch die Dortmunder Anhänger werden Asamoah wie in früheren Duellen ununterbrochen auspfeifen. „Das ist für mich ein besonderer Ansporn“, sagt er.

Nach einem halben Jahr ohne Verein war Asamoah eigentlich als Back-up für die beiden Fürther Stürmer Christopher Nöthe und Olivier Occean geholt worden. Mit vier Toren in vier Spielen lieferte er eine aussagekräftige Startelf-Bewerbung, seinen Muskelfaserriss hat er pünktlich zum Pokalspiel auskuriert. Zwischen Fürth und Dortmund liegen zwar mehr als 400 Kilometer, für Gerald Asamoah ist das heutige Spiel jedoch ein echtes Derby.

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