Sport : Streitbarer Schlichter

Verbandspräsident Ruben Acosta muss sich bei der Beachvolleyball-WM mit den Spielern einigen

Karsten Doneck

Berlin - Der Mann hat Ausdauer. Schon seit 1984 führt der Mexikaner Ruben Acosta, Jahrgang 1934, den Volleyball-Weltverband FIVB als Präsident – ohne Unterbrechung. Unumstritten war der stets piekfein auftretende Acosta allerdings nie. Sein Führungsstil gilt als eigenwillig und autoritär. Ruben Acosta, ein ehemaliger Volleyball-Nationalspieler, von Beruf Jurist, kümmert Kritik an seiner Amtsausübung zumeist wenig. Gelassen ging er jetzt auch die Kraftprobe mit den Spielerinnen und Spielern an, die bei der bis Sonntag in Berlin stattfindenden Beachvolleyball-Weltmeisterschaft mit Streik gedroht hatten. Erst gestern Nachmittag landete Acosta, aus Zürich kommend, mit dem Flugzeug in Berlin, abends verhandelte er mit einer Aktiven-Delegation die strittigen Punkte. Über den Ausgang der Gespräche gab es schon vorab wenig Zweifel. „Es läuft auf einen Kompromiss hinaus, nicht unbedingt hier vor Ort, aber schon vor dem nächsten großen Turnier in Paris“, sagt der Berliner WM-Turnierdirektor Siegbert Brutschin.

Wie berichtet, beklagen die Aktiven bei der Beach-WM, dass sie bei der FIVB vor der Saison „Knebelverträge“, so die deutsche Spitzenspielerin Danja Müsch, unterzeichnen mussten, um überhaupt an den Turnieren der World Tour teilnehmen zu können. Die amerikanischen Spieler haben sich dem widersetzt, sie haben ihre eigene, in Konkurrenz zur World Tour stehende Serie. Trotzdem dürfen sie an der WM teilnehmen. Es ging das Gerücht um, die FIVB habe sie für die Titelkämpfe mit Verträgen zu besseren Konditionen nach Berlin gelockt. Auch deshalb sannen die Anderen über einen Streik nach.

Nicht ungeschickt hat Acosta, bevor er sich selbst zur Lösung aller Probleme nach Berlin aufmachte, erst einmal seine Mitarbeiter vorgeschickt, um die Lage etwas zu entschärfen. So fuchtelte Angelo Squeo (Italien), Beachvolleyball-Chef der FIVB, am Dienstag immer wieder mit den bisher geheim gehaltenen Verträgen der Amerikaner herum. „Sehen Sie selbst“, sagte er, „da steht nichts anderes drin als bei den anderen Spielern auch.“

Prompt wurde die Front der streikwilligen Aktiven brüchig. „Die Situation ist eskaliert, es gibt viele Kommnuikationsfehler. Aber wir sind Beachvolleyballer, wir wollen spielen und nicht streiken“, sagt der Deutsche Marvin Polte, der mit seinem Partner Thorsten Schön als Nachrücker bei der WM startet und gestern mit dem 21:12, 21:19 gegen Olympiasieger Dain Blanton und dessen Partner Kevin Wong (USA) die erste große Sensation dieser Titelkämpfe schaffte.

Ruben Acosta wird sich, wohl schweren Herzens, auf Zugeständnisse einstellen müssen. „Es wäre sehr schwer weiterzuspielen, wenn kein Signal käme“, sagt die Olympiafünfte Okka Rau aus Hamburg, die mit Stephanie Pohl in Berlin bereits die vierte Runde erreicht hat. „Die Spielerinnen haben Respekt vor der FIVB, die FIVB aber nicht vor den Spielerinnen.“ DVV-Präsident Werner von Moltke unterstützt die Spielerinnen.

Angelo Squeo hat angedeutet, dass die FIVB für 2006 neue Verträge zu besseren Konditionen offerieren will. Obwohl die alten Verträge eine vierjährige Laufzeit haben. Vielleicht wird die Zahl der Pflichtteilnahmen bei der World Tour (bisher acht) ein wenig reduziert und den Spielern etwas mehr Mitspracherecht eingeräumt. Wie es Acosta eben gefällt: von allem etwas, bloß nicht zu viel, aber auf jeden Fall genug, damit diese WM ohne Streik zu Ende geführt wird.

Das Gezänk zwischen Aktiven und Weltverband schädigte die WM noch nicht nachhaltig. „Sehen Sie“, sagt Turnierdirektor Brutschin, „das Wetter ist gut, die Zuschauer sind da und die Spieler auch.“ Aber Brutschin weiß: „Die FIVB steht in der Pflicht.“ Den Ball hält nun Ruben Acosta in der Hand.

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