Sport : Streiten zum Aufwärmen

Friedhard Teuffel

Zu einer richtig guten Vorbereitung auf eine internationale Leichtathletik-Meisterschaft gehört wohl inzwischen, dass man einmal anständig auf die Delegationsleitung schimpft. Im vergangenen Jahr vor der WM in Helsinki fand die Speerwerferin Steffi Nerius auf einmal den deutschen Verbandspräsidenten Clemens Prokop doof. Der nutze sein Amt nur zur Profilierung. In diesem Jahr vor der EM in Göteborg ist es weniger persönlich, aber dafür in der Sache hart. Die Diskuswerferin Franka Dietzsch und der Kugelstoßer Ralf Bartels hätten einige ihrer Mitreisenden am liebsten zu Hause gelassen. Die Mannschaft sei zu groß und einige seien einfach nicht gut genug.

In der Tat nimmt der Deutsche Leichtathletik-Verband diesmal 78 Athleten mit, im vergangenen Jahr waren es noch 52. Es sollte keine WM-Touristen geben. Dietzsch und Bartels dürfen sich auch durchaus etwas herausnehmen. Sie gewannen schließlich zwei von fünf deutsche Medaillen in Helsinki, Dietzsch wurde sogar Weltmeisterin. Die Diskuswerferin hat zudem gut erklärt, warum sie lieber mit den besten Athleten unter sich ist. Wenn zu viele aus der deutschen Mannschaft in der Qualifikation ausschieden, sei das schlecht für die Stimmung.

Andererseits ist Leichtathletik kein Mannschaftssport und der Verband verweist auf seine Planung: Er will junge Athleten an Olympia 2008 und die WM 2009 in Berlin heranführen. So erscheint die Teamgröße im Moment als theoretische Diskussion. Wenn Dietzsch und Bartels in Göteborg weit werfen und stoßen, hätte sie immerhin den beiden etwas gebracht – wenn auch nur zum Aufwärmen.

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