Sport : Sturz auf der Streif

Beim Abfahrtsrennen verletzt sich der Amerikaner Scott McCartney schwer

Josef Metzger[Kitzbühel]

Auf einmal war von Euphorie nichts mehr zu spüren. Die Begeisterung der Fans des alpinen Skisports im österreichischen Kitzbühel wich blankem Entsetzen angesichts des schweren Abfahrtssturzes der Startnummer 2. Vor den Augen der Gäste auf der Ehrentribüne war der US-Amerikaner Scott McCartney beim Zielsprung mit Tempo 140 ausgehoben worden und Kopf voran so hart auf die Piste gekracht, dass es ihm den Sturzhelm wegriss. Ein Schauer packte die Augenzeugen bis hinauf zu Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, als wilde Zuckungen durch McCartneys Körper gingen. Burgtheater-Schauspieler Peter Simonischek brachte als einer der Ehrengäste die Todesängste, die alle gepackt hatten, auf den Punkt: „Solche Dramen will keiner sehen. Mir ist der Sturz richtig in den Magen gefahren.“

Der bewusstlose US-Amerikaner wurde auf der Strecke erstversorgt und dann in die Universitätsklinik nach Innsbruck geflogen. „Wie schlimm das Schädel-Hirn-Trauma ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, erklärte Ernst Raas. Der österreichische Rennarzt war bei der Notversorgung dabei und meinte danach: „Zumindest sind die Vitalfunktionen okay – das stimmt uns zuversichtlich.“

Die beruhigenden Worte waren auch an die Rennfahrer gerichtet, die angesichts der 20 Minuten langen Unterbrechung nur wenig Zeit hatten, auf neue Gedanken zu kommen. Danach ging das Skispektakel auf der berüchtigten Streif weiter – und die Sportler stürzten sich wieder die schweren Passagen am Hang – wie Mausefalle, Steilhang oder Hausbergkante – hinab. Allen voran der inzwischen schon 35 Jahre alte Hermann Maier, der nach seinem zweiten Platz am Freitag im Super G erneut seine Chance suchte, sein erstes Rennen seit der Abfahrt in Garmisch im Jahre 2006 zu gewinnen. Doch mit einem verpatzten Schwung verlor Maier gleich wichtige Zehntelsekunden. Am Ende wurde er auch als Fünfter so gefeiert wie Sieger Didier Cuche aus der Schweiz.

Doch angesichts des schweren Sturzes jubelten viele der 50 000 Zuschauer nur zurückhaltend. Dabei sind Verletzungen aller Art im Nervenkitzel Abfahrt fast schon eingerechnet, gerade die Streif kalkuliert mit dem schmalen Grat zwischen Sieg und Sturz, Triumph und Tragödie. Das Risiko tragen die Sportler. Schließlich haben sie keine Absicherung außer Rückenschutz und Helm, der mitunter bei schweren Stürzen den freiwerdenden Kräften nicht mehr standhält. So auch bei Scott McCartney, der noch am Abend im Innsbrucker Krankenhaus behandelt wurde.

Wie schwer seine Kopfverletzung ist, war gestern noch nicht klar, eine Operation sei zunächst aber nicht notwendig, hieß es. Scott McCartney war weiterhin ohne Bewusstsein. Die erste Untersuchung ergab, dass er keine inneren Verletzungen aufweist. Auch konnten keine schweren Hirnverletzungen festgestellt werden. Wegen des schweren Schädel-Hirn-Traumas, so vermuteten die Ärzte, war der Amerikaner noch nicht ansprechbar.

Eigentlich hatte Scott McCartney am gestrigen Abend etwas anderes vor: die Feier seines 30. Geburtstags.

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