Stuttgart entlässt Trainer : Armin Veh muss gehen

Der VfB Stuttgart reagiert auf die sportliche Krise: Manager Horst Heldt darf bleiben, aber Trainer Armin Veh muss gehen – Assistent Markus Babbel wird erst mal sein Nachfolger.

Oliver Trust
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Lauter Abgang. Nach einer Nacht voller Diskussionen wurde Trainer Armin Veh in Stuttgart entlassen. Am Sonnabend hatte sein Team...

StuttgartAls der Neue nach seinem ersten Training im Schneetreiben am späten Sonntagvormittag um die Ecke bog, war der einstige Meistermacher Armin Veh als Cheftrainer entlassen und längst daheim in Augsburg. Und Markus Babbel verkündete, was die Führungsgremien beim VfB Stuttgart in der Nacht und am frühen Morgen beschlossen hatten. „Ich bin der Chef“, sagte der ehemalige Nationalspieler, der vom Assistenten nun zum Boss aufsteigt, vorerst aber beim VfB als Teamchef geführt wird, weil ihm die nötige Trainerlizenz als Fußballlehrer fehlt. Deshalb wird Rainer Widmayer, früher Amateurspieler des VfB und zuletzt als Assistent von Krassimir Balakow beim FC St. Gallen tätig, offiziell als Trainer fungieren. „Es ist ein Gefühl wie beim ersten Bundesligaspiel. Ich bin neugierig und sehr aufgeregt“, sagte Babbel, der seit eineinhalb Jahren in Stuttgart als Assistent von Veh arbeitete. „Die Spieler wirkten blockiert, diese Blockade müssen wir auflösen. Glaube und Wille müssen wieder erkennbar sein“, meinte der 36 Jahre alte Europameister von 1996.

Neben Babbel saß bei der in aller Eile anberaumten Pressekonferenz Manager Horst Heldt. Er sah blass aus. „Wir hatten das Gefühl, einen neuen Reiz setzen zu müssen“, sagte Heldt. Armin Veh, der im Februar 2006 seinen Posten von Giovanni Trapattoni übernommen hatte und den VfB 2007 zur deutschen Meisterschaft geführt hat, traute man nicht zu, die sportliche Krise zu bewältigen. Veh wird sich noch bei Gelegenheit von seiner ehemaligen Mannschaft verabschieden, am Sonntag wollte er offenbar nur noch weg.

Noch in Wolfsburg nach dem ernüchternden 1:4 und auf dem langen Heimweg hatten sich Veh und Heldt darüber verständigt, später ein intensives Gespräch führen zu wollen. Das dauerte nach der Rückkehr nach Stuttgart mehr als drei Stunden. „Wir waren in wichtigen Punkten unterschiedlicher Meinung“, berichtete Heldt. Die Unterhaltung sei sehr emotional abgelaufen. Nach knapp drei Stunden Schlaf steuerte Heldt aufs Klubzentrum zu, wo er sich mit Präsident Erwin Staudt, Sportdirektor Jochen Schneider noch einmal mit Veh besprach. Am Ende wurde ihm die Entscheidung zur Trennung mitgeteilt. Veh verließ vor neun Uhr am Morgen das Klubgelände und war nicht erreichbar. „Wir haben drei Jahre sehr intensiv zusammen gearbeitet, und das erfolgreich. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagte Heldt. „Aber es gibt bis zur Winterpause noch wichtige Ziele zu verfolgen, deshalb haben wir den jetzigen Zeitpunkt gewählt.“ Schon am Donnerstag wird Babbel als Chef bei der Uefa-Cup-Partie in Genua auf der Bank sitzen. Widmayer wird am Montag zur Mannschaft stoßen. Ob Babbel nur eine Zwischenlösung bleibt, ließ Heldt offen. Babbel selbst sagte: „Ich freue mich, dass der Verein mir das zutraut, und denke jetzt erst einmal ans nächste Spiel.“ Er sehe aber seine Zukunft als Trainer.

Die Trennung von Veh war der Höhepunkt einer sportlichen Talfahrt, die auch dazu führte, dass sich zwischen Manager Heldt und Veh eine immer größere Distanz entwickelte. Veh lehnte es stets ab, Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen, und galt vielen am Ende als zu verschlossen und eigensinnig in der Personalführung. „Es gab unterschiedliche Ansichten, wie eine Mannschaft zu führen ist“, sagte Heldt. Mehrfach hatte sich Veh über die zu hohen Erwartungen im Verein beschwert und neues Personal gefordert. Veh galt zwar immer als profunder Fachmann mit viel Weitblick und Einfühlungsvermögen, wirkte aber immer öfter seltsam bedrückt und nach außen hin leidenschaftslos.

Nach dem Gewinn der Meisterschaft wollte man in Stuttgart für frischen Wind im Team sorgen und scheiterte. Weder Gledson, Yildiray Bastürk, noch Jan Simak oder Raphael Schäfer und Sergiu Radu, Ciprian Marica, Khalid Boulahrouz oder Ewerthon konnten die Erwartungen erfüllen. Vergangenen Freitag hatte der gebürtige Augsburger Veh die eigene Personalpolitik kritisiert und Fehler eingestanden. Veh hatte Manager Heldt und Sportdirektor Jochen Schneider einbezogen. „Wir haben nicht die richtigen Leute geholt“, hatte Veh gesagt. Und: „Dafür bluten wir jetzt alle zusammen.“ Vorerst hat es dabei allein ihn getroffen.

Für Horst Heldt, der in den vergangenen Wochen mehr und mehr in die Rolle des Klubvertreters geschlüpft war, bleibt die Krise vorerst ohne Konsequenzen. Er sagt selbst: „Wenn es ein Alibi gegeben hat, dann gibt es jetzt keines mehr.“

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