Sport : Stuttgarter Stühlerücken

Lewis Hamilton ersetzt Michael Schumacher bei Mercedes. Was aus  dem wird, ist offen.

von
Bereits ein Fingerzeig. Beim Großen Preis von Malaysia sicherte sich Lewis Hamilton (rechts) in diesem Jahr die Pole Position. In der kommenden Saison wird er Michael Schumacher im Cockpit von Mercedes ersetzen. Foto: dpa
Bereits ein Fingerzeig. Beim Großen Preis von Malaysia sicherte sich Lewis Hamilton (rechts) in diesem Jahr die Pole Position. In...Foto: dpa

Es war schon erstaunlich, was Mercedes da am Freitagmorgen verkündete: Lewis Hamilton wird ab der kommenden Saison das Cockpit von Michael Schumacher übernehmen. Einen Drei-Jahres-Vertrag hat der Brite schon unterschrieben. Bereits am letzten Wochenende in Singapur deutete einiges darauf hin, denn die Verhandlungen zwischen Mercedes und Lewis Hamilton schienen bereits weit fortgeschritten. Dazu die betonte Schmallippigkeit der Beteiligten und Schumachers auffällige Unkonzentriertheit nicht nur auf, sondern auch neben der Rennstrecke. Und auch dass der Aufsichtsrat des Autobauers in dieser Woche noch einmal sämtliche Beschlüsse der Formel 1 absegnen musste, passte ins Bild.

Als der große Verlierer steht jetzt Michael Schumacher da. Denn durch den Ablauf ist eines klar geworden: Freiwillig ging der siebenmalige Weltmeister nicht, er wurde von Mercedes beseitigt. In Singapur sickerte durch, dass es zwischen Schumacher und den Mercedes-Verantwortlichen noch einmal ziemlich gekracht habe. Möglich, dass man ihm da noch einmal anbot, von sich aus seinen Rücktritt zu verkünden, er das aber ablehnte. „Michael tut mir ein bisschen leid“, sagt der ehemalige Schweizer Fahrer Marc Surer. „Er erlebt jetzt bei Mercedes die gleiche Situation wie vor ein paar Jahren bei Ferrari. Damals musste er für Kimi Räikkönen Platz machen, jetzt für Hamilton.“ Wie es für Schumacher weitergeht, ist offen. In der offiziellen Mercedes-Erklärung ist von Rücktritt nicht die Rede, auch nicht von neuen Aufgaben als Mercedes-Markenbotschafter. Dass er ernsthaft darüber nachdenkt, im Schweizer Sauber-Privatteam für deutlich weniger Geld noch ein Jahr anzuhängen, ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: Und wenn es nur eine Trotzreaktion wäre. Schumacher-Managerin Sabine Kehm hielt sich erst einmal bedeckt: „Das ist heute alles kein Thema.“

Aus Sicht von Mercedes ist der Schritt dennoch nachvollziehbar. Die Leistungen des 43-Jährigen standen in keinem Verhältnis zu einem Jahresgehalt von 21 Millionen Euro. Schumachers Teamkollege Nico Rosberg fuhr in der Regel die besseren Ergebnisse ein, zudem häuften sich Fehler, wie die Auffahrunfälle von Barcelona und Singapur. Als sich die Chance bot, den jüngeren, schnelleren Hamilton zu bekommen, griff Mercedes zu. Dass der Brite, seit seiner Formel-3-Zeit dem Stern verbunden, auf der Mercedes-Wunschliste ganz weit oben steht, hatte Motorsport-Chef Norbert Haug schon letztes Jahr betont.

Auch aus Sicht von Lewis Hamilton ist der Wechsel – zumindest teilweise – verständlich. Denn der Weltmeister von 2008 und das McLaren-Team haben sich im Laufe der Zusammenarbeit immer weiter auseinander gelebt. Aus Ärger über nicht funktionierende Technik und ein missratenes Qualifying stellte Hamilton einst geheime technische Daten per Twitter ins Internet. Da blieb viel verbrannte Erde zurück. Unter der Hand hieß es in den letzten Wochen bei McLaren immer wieder: „Wenn er gehen will, dann soll er doch.“ Neuer zweiter Mann bei McLaren neben Jenson Button wird ab 2013 übrigens der bisherige Sauber-Pilot Sergio Perez aus Mexiko.

Von Mercedes versprechen sich der Brite und sein Management um den umtriebigen Simon Fuller nun vor allem die Möglichkeit, als Teil einer Weltmarke auch selbst zum globalen Superstar zu werden. Eine Gehaltserhöhung auf geschätzte 20 Millionen Euro im Jahr dürfte zudem für Hamilton herausgesprungen sein. Auch Manager Fuller verdient künftig mehr, da er einen speziellen Vertrag mit seinem Top-Klienten hat und 50 Prozent von Hamiltons privaten Sponsor-Einnahmen bekommt. Und Mercedes erlaubt seinen Piloten deutlich mehr persönliche Deals als McLaren.

Bleibt die sportliche Frage. Bis jetzt ist der Mercedes gegenüber dem McLaren das schlechtere Auto. Das könnte sich aber bald ändern, vor allem ab 2014, wenn das neue Motorenreglement kommt. Wie weit eine Leistungssteigerung bereits 2013 gelingen kann, ist fraglich. Und inwiefern sich das neue Engagement von Niki Lauda auszahlt, bleibt abzuwarten. Der Österreicher wird neuer Vorsitzender des Aufsichtsgremiums des Formel-1-Teams vom Mercedes. Vor Jahren hatte Lauda bei Jaguar schon einmal eine ähnliche Funktion, allerdings mit eher mäßigem Erfolg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar