Sport : Suche des Berliner Handball-Zweitligisten nach Sponsoren blieb erfolglos

Klaus Rocca

Seit gestern ist die Hauptstadt Handball-Provinz. Hier, wo einst BSV 92, SC Weißensee, ASK Vorwärts und SC Dynamo deutsche Meistertitel holten und die Reinickendorfer Füchse noch viele Jahre später im Europapokal spielten, wird nun im Männerbereich nicht einmal mehr Zweitliga-Handball geboten. HC Blau-Weiß Spandau, finanziell und sportlich am Ende, scheidet aus dem laufenden Punktspielbetrieb aus. Damit war die bravouröse Partie am Sonntag gegen die SG Hameln (19:19) das letzte Spiel der Havelstädter, vor nicht allzu langer Zeit noch Erstligist. "Es ist eine Schande, dass Berlin nicht mehr dabei ist", kommentierte der Vorsitzende des DHB-Liga-Ausschusses, Heinz Jacobsen, den Rückzieher.

Bis zum letzten Moment war versucht worden, die Folgen der monatelangen Vereins-Misswirtschaft zu überwinden. Ulrich Theis (Wetzlar), ehemaliger Nationaltorhüter des VfL Gummersbach und jetzt auch Bauunternehmer in Berlin, war verzweifelt bemüht, Sponsoren für ein finanzielles Konzept zu gewinnen. Auch Ex-Nationalspieler Walter Don (früher Reinickendorfer Füchse), der Landessportbund und der Handball-Verband Berlin stellten sich in den Dienst der Sache. Letztlich scheiterten alle Rettungsversuche, weil potenzielle Sponsoren nicht bereit waren, die Altlasten des im Konkursverfahren befindlichen Klubs zu übernehmen. Dabei geht es auch um nicht gezahlte Beiträge an die Berufsgenossenschaft und die Sozialversicherung.

Offen ist, wie die Regressforderungen jener Vereine befriedigt werden, bei denen Blau-Weiß Spandau in dieser Saison noch hätte antreten müssen. Die beim Deutschen Handball-Bund (DHB) hinterlegte 40 000-Mark-Bankbürgschaft dürfte bei weitem nicht ausreichen. So hatte allein der VfL Fredenbeck, bei dem Spandau zuletzt antrat, für den Fall des Spielausfalls mit Forderungen über 25 000 Mark gedroht. Heinz Jacobsen: "Da der Verein Pleite ist, werden wohl einige Forderungen unerfüllt bleiben."

Nach dem Rückzug ist auch die geplante Spielgemeinschaft mit den Reinickendorfer Füchsen, dem Tabellenführer der Oberliga, hinfällig. Sie war unter der Voraussetzung ins Auge gefasst worden, dass BW Spandau den Klassenerhalt schafft. Der war nach dem Vier-Punkte-Abzug wegen Satzungsverstößen ohnehin unwahrscheinlich geworden. Dass Gnadengesuch an das DHB-Präsidium ist nun auch gegenstandslos. Trainer Georgi Swiridenko und die meisten Spieler werden sich nun um andere Vereine bemühen. "Für mich ist jedoch Schluss", kommentierte der fast 41-jährige Torhüter Jörg Hermann, der als Steuerfachmann wochenlang das zweifelhafte Vergnügen hatte, die Papiere des Klubs zu durchforsten. Gestern Abend traf sich die Mannschaft im Korber-Zentrum zum letzten Training.

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