Sport : SV Babelsberg 03: Nichts für schwache Nerven

Felix Meininghaus

Fußball bietet immer noch eine Steigerung: Wenn die Bayern in der 94. Minute Meister werden, dann schafft es der SV Babelsberg 03 in der Fußball-Regionalliga Nord, beim vorentscheidenden Spiel um den Aufstieg, gegen Preußen Münster das Tor zum Glück in der 109. Minute zu erzielen. Nun sieht es so aus, als sollten die Babelsberger Meister 1. FC Union in die Zweite Liga folgen. Im letzten Saisonspiel reicht gegen Fortuna Düsseldorf ein Unentschieden, um den Aufstiegstraum perfekt zu machen.

Es war ein spektakuläres Spiel, dieses 3:2 (1:1) vor 7550 Zuschauern im Preußen-Stadion. Eine Partie, die alles bot, was ein Fußballspiel erinnerungswürdig macht. Viele Tore und am Ende einen Helden, der das Spiel im Alleingang entschied. Sein Name: Marco Küntzel, Babelsberger Torjäger, der nach dieser Saison zu Borussia Mönchengladbach wechselt, bog die Partie nach dem 1:2-Rückstand mit zwei sehenswerten Treffern um. Der überragende Stürmer dokumentierte in Münster eindrucksvoll, warum ihn der Erstliga-Aufsteiger haben wollte.

Dabei hatte es lange Zeit nicht nach einem Babelsberger Erfolg ausgesehen. Das Team von Hermann Andreew machte sich das Leben in der ersten Halbzeit selbst schwer. Auffallend viele Fehler bei der technisch sonst so versierten Mannschaft ließen keinen Spielfluss zu. Dazu kam, dass Marco Lasser in der 36. Minute einen Kopfball des Ex-Babelsbergers Stephan Schmidt unglücklich ins eigene Tor abfälschte. Kurz vor der Halbzeit gelang Björn Laars überraschend der Ausgleich.

Danach lief es für die Babelsberger wesentlich besser, bis Stephan Küsters in der 57. Minute plötzlich zusammenbrach. Münsters Libero ist Diabetiker und hatte einen Zuckerschock erlitten. Küsters wurde auf dem Platz behandelt und soll sogar ohne Bewusstsein gewesen sein. "Man merkt, wie schnell Fußball zur Nebensache werden kann", sagte Babelsbergs Kapitän Almedin Civa nach der Partie.

Mehr als zehn Minuten dauerte die Unterbrechung, nach der jedoch nicht die Münsteraner, sondern die Babelsberger den Faden verloren. Prompt gelang Münster die erneute Führung, und wieder war ein Babelsberger als letzter Spieler am Ball: Martino Gatti verlängerte eine Hereingabe an seinem Torwart Alexander Kunze vorbei ins Tor.

Zwei Eigentore, das bricht normalerweise die Moral einer Mannschaft. Nicht jedoch die des SV Babelsberg 03. Die Partie war bereits die zehnte in dieser Saison, bei der die Babelsberger einen Rückstand noch in einen Sieg umgewandelt haben. Die Schlussphase inklusive der zwanzigminütigen Nachspielzeit war wirklich nichts für schwache Nerven. Sämtliche Glückwünsche wehrte Detlef Kaminski nach Spielschluss jedoch konsequent ab. "Nicht, bevor wir den letzten Schritt gegangen sind." Mittelfeldakteur Slawomir Chalaskiewicz ist da mit seiner Prognose schon mutiger: "Dieser Sieg reicht. Jetzt lassen wir uns den Aufstieg nicht mehr nehmen."

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