Sport : SV Babelsberg 03: Showdown in Münster

Andre Görke

Bahnreisende sollten heute vorsichtshalber ein paar Bierdosen einstecken, wenn sie nicht auf ihr Pils am Abend verzichten wollen. Vorausgesetzt natürlich, sie kommen gerade aus Westfalen und wollen nach Berlin. Denn in einem der Züge sitzt sicherlich die Mannschaft des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. Und es ist gut möglich, dass sich die Herrschaften schon zur frühen Abendstunde am Biervorrat des Speisewagens vergangen haben. Die Potsdamer nämlich könnten im Falle eines Auswärtssieges bei Preußen Münster (Spielbeginn 14 Uhr) und einer zeitgleichen Niederlage von Fortuna Köln bei Fortuna Düsseldorf in die Zweite Bundesliga aufgestiegen sein. Die Party würde vermutlich schon im Bordrestaurant steigen. Und das schon am vorletzten Spieltag.

Möglich gemacht hat diese Konstellation der Zwangsabstieg von Tennis Borussia. Den Charlottenburgern war nach der vergangenen Saison mangels wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit die Lizenz für die Zweite Bundesliga verweigert worden. Der Deutsche Fußball-Bund hatte zu diesem Zeitpunkt die beiden Regionalligen bereits aufgeteilt, TeBe kam nun als 19. Mannschaft in die Nordstaffel hinzu. Damit war klar, dass eine Mannschaft an jedem Spieltag tatenlos zuschauen musste. So war am letzten Wochenende Babelsberg spielfrei. Die beiden Verfolger, Fortuna Köln und Preußen Münster, trennten sich unentschieden und blieben hinter den Potsdamern. Preußen Münster hat nun das Pech, am letzten Spieltag aussetzen zu müssen. Verlieren die Babelsberger also heute im Preußen-Stadion, können sie daher aus eigener Kraft am letzten Spieltag wieder vorbeiziehen.

Der drittplatzierte VfB Lübeck hat den gleichen Ärger. Die Norddeutschen sind heute spielfrei und könnten selbst im Falle eines Sieges am nächsten Wochenende nicht mehr auf einen Aufstiegsplatz rutschen. Nur Fortuna Köln hat bei zwei Siegen noch eine realistische Chance. Vorausgesetzt, Babelsberg holt weniger als vier Punkte. Und die Kölner müssen heute zeitgleich im Rheinderby gegen die abstiegsbedrohte Düsseldorfer Fortuna kicken. Am letzten Spieltag treten die Kölner dann in Babelsberg an. Die Ausgangslage für die Potsdamer könnte schlechter sein.

"Es wäre kaum verständlich, wenn wir jetzt nicht aufsteigen wollten", sagt Babelsbergs Vereinspräsident Detlef Kaminski. Aber: "Ich betone noch einmal, dass wir nicht aufsteigen müssen." Schließlich hat niemand mit diesem Erfolg gerechnet. So liegt der Etat der Potsdamer in dieser Saison bei gerade einmal 4,2 Millionen Mark. In der Zweiten Bundesliga beträgt er neun Millionen Mark, sechs Millionen würden allein an Fernsehgeldern fließen. In der Regionalliga sind es 650 000 Mark. Zum Vergleich: Der 1. FC Union kalkulierte in dieser Saison bereits mit 11,5 Millionen Mark. Die Mannschaft hatte zu Saisonbeginn eine Nichtabstiegsprämie aushandeln wollen. Vereinspräsident Kaminski aber lehnte ab und vermerkte stattdessen in den Verträgen eine Prämie für den Fall des Aufstiegs.

In Münster werden heute 15 000 Zuschauer erwartet. Für die Preußen ist es die letzte Chance. Sie aber müssen auf ihren Torjäger Carlos Castilla verzichten. Der hat in dieser Saison schon 16 Tore geschossen, sah aber im letzten Spiel gegen Köln die Rote Karte. Babelsberg tritt in Bestbesetzung an, könnte aber in der nächsten Saison ein paar Probleme bekommen. Torjäger Marco Küntzel hat vor wenigen Tagen einen Vertrag beim Bundesliga-Aufsteiger Mönchengladbach unterschrieben. Und nun hat Kaminski ziemlich viel zu tun: "In die Geschäftsstelle kommen zentnerweise Faxe von Beratern, die uns ihre Spieler anbieten." So ist es eben, wenn der Aufstieg naht.

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