Tätlichkeit gegen Potsdamer Spielerin : Wenn der Fußballtrainer wütend wird

Es begann mit einem falschen Einwurf der Frankfurterinnen. Ein Ball wird ins Gesicht einer Spielerin geworfen. Eine Potsdamerin sieht die rote Karte. Warum Frankfurts Coach eine Potsdamer Spielerin angriff.

Friedrich Gröschner

Berlin - So schlimm wie damals in Duisburg war es nicht, was am Sonntag beim Bundesligaspiel von Turbine Potsdam geschah. Damals versetzte der Duisburger Trainer Norbert Meier einem Kölner Spieler einen Kopfstoß. Was jedoch beim Spitzenspiel der Frauenbundesliga zwischen Turbine Potsdam und dem FFC Frankfurt (2:1) geschah, dürfte ebenfalls Konsequenzen haben. Dort ließ sich Frankfurts Trainer Sven Kahlert noch zu einer Tätlichkeit gegenüber der Potsdamer Spielerin Tabea Kemme hinreißen.

Alles begann mit einem falschen Einwurf der Frankfurterinnen. Als Tabea Kemme daraufhin für Potsdam einwerfen will, stellte sich die Frankfurterin Kerstin Garefrekes einen Meter vor sie, um eine schnelle Ausführung zu verhindern. Kemme wirft ihr den Ball aus kurzer Distanz ins Gesicht, Garefrekes stürzt zu Boden. Zwar entschuldigt sich Kemme sofort bei ihr, doch Schiedsrichterin Miriam Ditz stellt die Potsdamerin vom Platz.

„So eine Situation habe ich noch nicht gesehen“, sagt Turbines Trainer Bernd Schröder, „ich glaube nicht, dass sie vorsätzlich gehandelt hat.“ Die Situation sei unglücklich gewesen. Zwischen beiden Spielerinnen war es zuvor zu keinem Konflikt gekommen. Gleichzeitig findet Schröder, dass die Unparteiische zu schnell gehandelt habe. „Die Rote Karte war überflüssig“, sagt der Trainer, „sie hätte vielleicht vorher mit beiden Spielerinnen reden sollen.“ Allerdings habe die Schiedsrichterin auch handeln müssen, als Garefrekes den Mindestabstand nicht einhielt.

Nach der Roten Karte gingen dann Frankfurts Trainer Sven Kahlert die Nerven durch. Er schubste die Potsdamer U-20-Weltmeisterin an der Seitenlinie und wurde des Feldes verwiesen. Kahlert entschuldigte sich nach dem Spiel offiziell bei Kemme und begründete seinen seltsamen Ausraster mit verbalen Attacken der Fans in Potsdam. Er sprach von „aggressiven Zuschauern“ und einer „aufgeheizten Stimmung“.

Bernd Schröder hat das anders empfunden. „Aggressivität ist ein dehnbarer Begriff“, sagt er, „die Zuschauer haben Stimmung gemacht.“ Einzig nach dem Spiel sei die Atmosphäre ein bisschen aggressiv gewesen. Potsdams Trainer will mit Tabea Kemme demnächst ein Gespräch führen. Der Deutsche Fußball-Bund hat den Klub um eine Stellungnahme zu dem seltsamen Ereignis gebeten.Friedrich Gröschner

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