Paralympics-Tagebuch (5) : Auf nach Whistler!

Elisa Kremerskothen erlebte Verena Benteles Sieg im Biathlon hautnah mit. Um sich anschließend auch ein Statement von der Goldmedaillengewinnerin zu sichern, musste sie allerdings die Ellenbogen kräftig ausfahren.

Elisa Kremerskothen[Whistler]
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Was man nicht im Kopf hat... So sieht es auf Elisas Notizblock aus - nur das mit der Busverbindung hat nicht wirklich geklappt. -Foto: Thilo Rückeis

Am ersten Wettkampftag ging es für mich zusammen mit zwei anderen Schülerjounalisten der Paralympics Zeitung zum Biathlon nach Whistler. Schon früh morgens warteten viele große Busse und neugierige Journalisten am „International Broadcast Center“. Nach einer kurven Fahrt durch Vancouver ging es über die „Lions Gate Bridge“ zum Sea-to-Sky Highway. Dieser hält, was sein Name verspricht. Links das Meer und viele dichtbewachsene kleine Inseln, rechts graue Felswände mit einigen Wasserfällen, die sich ihren Weg durch die schroffen Gebirge bahnen. In der Ferne liegen versteckt zwischen hohen Tannen etliche Seen, in denen sich die Farben der kanadischen Natur spiegeln - grün, orange, rot und braun. Diese Kulisse wird durchzogen von dicken Nebelschwaden, die mächtig über den vielen Inseln schweben.

Der Highway wurde für 600 Millionen Dollar extra von der Regierung für die Olympischen Spiele und die Paralympics erneuert. Ein enormer Kostenaufwand, für den die atemberaubende Kulisse aber zumindest den Beobachter entschädigt. Während der Fahrt wurden wir von immer wiederkehrenden „Welcome to Vancouver 2010“- und „We are made for this“-Schildern begrüßt. Ja, da haben die Kanadier recht, für diese Spiele sind sowohl sie und ihre Mentalität als auch das Land wie gemacht. Immer wieder überholten wir überdimensionale Trucks, die sich die Hügel hochkämpften. Schon bald sahen wir den ersten Schnee, der die Seiten des Highways säumte. Eine Szenerie wie im Winter Wonderland. Empfangen von zahlreichen Kanada Flaggen kamen wir nach zwei Stunden Fahrt im Wintersportort Whistler an.

Dort befindet sich der Paralympic Parc, in dem alle nordischen Wettbewerbe stattfinden. In einem speziellen Pressebereich konnten wir die Wettkämpfe verfolgen und erlebten live mit, wie die blinde Biathletin Verena Bentele ihr Rennen über drei Kilometer gewann und somit den ersten Platz auf dem Treppchen einnahm. Aber auch die restlichen deutschen Sportler präsentierten sich nur von ihrer besten Seite. Sowohl Josef Giesen als auch der blinde Willi Brem wurden Vierter. Nach jedem Rennen mussten wir uns beeilen, um uns noch einen guten Platz in der so genannten "Mxed Zone" zu sichern.

Erstmals erlebten wir das Ellenbogen-Business des Journalismus hautnah



Leider gingen wir zwischen den ganzen Kameras großer deutscher Fernsehsender und Mikrofonen einiger Radiosender ein wenig unter. Daher war es schwierig, die Athleten überhaupt zu sich locken zu können. Erstmals erlebten wir das Ellenbogen-Business des Journalismus hautnah mit. Nach einem hart erkämpfen Statement von Verena Bentele, folgte schon der nächste Termin - die Eröffnung des Deutschen Hauses. Da wir aufgrund des Interviews zu spät waren, fuhren keine Shuttles mehr zu dem Golfklub, in dem das Deutsche Haus seinen Sitz hat. Also machten wir uns auf eigene Faust auf zum Main Press Center, um dort nähere Informationen einzuholen.

Da die Paralympics-Gastgeber unglaublich hilfsbereit und freundlich sind, vergingen keine zehn Minuten und schon hatten wir eine nette Kanadierin an unserer Seite, die uns zu einem öffentlichen Bus führte. Wir erklärten dem Fahrer, wo der Golfklub liegt und hofften, dass er uns den Stopp mitteilen würde. Soweit so gut. Doch plötzlich stiegen immer mehr Menschen aus und der Bus leerte sich mehr und mehr. Als wir dann die einzigen Übriggebliebenen waren, fragte uns der Busfahrer verwundert, wohin wir denn wollten. Er hatte vergessen uns zu sagen, wann wir den Bus verlassen müssen und daher sind wir mit ihm bis zur Endstation mitgefahren.

Glücklicherweise fuhr er die Strecke wieder zurück und so kamen wir nach einer 40-minütigen Fahrt endlich am Deutschen Haus an. Dort gab es einige Ansprachen, ein Buffett und man konnte sich selbst im blinden Schießen versuchen. Da wir fast die einzigen Journalisten waren, war es im Gegensatz zur "Mixed Zone" sehr einfach, ein Interview mit Frank Höfle zu bekommen. Als ich nach diesem erlebnisreichen, spannenden und auch anstrengenden Tag wieder im Bus nach Vancouver saß, war ich sicher, dass ich von den Erfahrungen - sei es, sich im harten Journalistengeschäft durchzukämpfen oder sich alleine in einer komplett fremden Stadt zurechtzufinden und nicht gleich zu verzweifeln - noch lange profitieren werde.

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