Sport : Taktik oder Verzweiflung?

Contador erwägt sein Karriereende, könnte mit der Ankündigung aber auch nur Druck ausüben wollen

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Madrid - Angesichts einer möglichen Dopingsperre denkt der Radprofi Alberto Contador offensichtlich über sein Karriereende nach – egal, wie das Urteil des Weltverbandes UCI ausfällt. „Ich bin so entmutigt, dass ich darüber nachdenke, den Radsport unabhängig von der Entscheidung der UCI aufzugeben“, zitierte die Madrider Zeitung „El Mundo“ den dreifachen Tour-de-France-Sieger. Dies soll Contador dem Präsidenten des spanischen Radsportverbandes, Carlos Castaño, anvertraut haben.

Die Äußerung könnte auch eine taktische Maßnahme sein, um weiteren Druck auf die Entscheidungsgremien UCI und Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) auszuüben. Die Vermarktung der Tour de France profitierte in den vergangenen zwei Jahren von den Duellen Contadors mit Lance Armstrong und Andy Schleck und würde ohne den Spanier sicher an öffentlicher Wahrnehmung verlieren.

Dem 27 Jahre alten Contador, der derzeit als bester Rundfahrer der Welt gilt, waren bei einem Test am zweiten Tour-Ruhetag in Pau in A- und B-Probe geringe Spuren des Kälbermastmittels Clenbuterol nachgewiesen worden. Der Spanier führte das auf kontaminiertes Fleisch zurück, das er in Pau gegessen habe.

Die Chancen scheinen gering zu sein, dass Contadors Beteuerungen Gehör finden. Bei einem ähnlich gelagerten Fall der spanischen Hürdenläuferin Josephine Onyia im vergangenen Jahr verhängte der Internationale Sportgerichtshof Cas eine Zweijahressperre. Bei Onyia hatte auch das Labor in Köln – wie bei Contador – den Minimalwert herausgefiltert.

Nur vier der weltweit 34 akkreditierten Anti-Doping-Laboratorien sind nach Angaben der Contador-Anwälte in der Lage, solch geringen Mengen Clenbuterol zu analysieren. Contadors neuer Teamchef Bjarne Riis hatte am Vortag erklärt, dass er sich bereits mit einem „Plan B“ für den Rennstall Saxo-Bank-Sungard beschäftige, falls sein Topfahrer im Fall einer Sperre ausfallen sollte.

Die Theorie von verseuchtem Fleisch wird auch von offiziellen Stellen erschüttert. In Spanien habe es in den Jahren 2008 und 2009 in 19 431 Fleischproben keinen einzigen Clenbuterol-Nachweis gegeben, teilte die Gesundheits- und Verbraucher-Aufsicht der Europäischen Union mit. „Es ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Meiner Meinung nach ist es nur eine Story“, sagte Fernando Ramos, ein Spezialist für Lebensmittelvergiftungen an der Universität Coimbra in Portugal, die Contador-Version der erhöhten Werte. dpa

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