Sport : Tauglich für die Zweite Liga?

Wie Braunschweig um den Klassenerhalt kämpft

Karsten Doneck

Berlin - Das Urteil klang vernichtend. „In dieser Zusammensetzung ist die Mannschaft nicht zweitligatauglich“, stellte Trainer Djuradj Vasic nach einer Woche Arbeit und einem Spiel fest. Der Serbe traf damit den Nerv einer ohnehin schwer erschütterten Mannschaft. Als aber Eintracht Braunschweig nach fünf Spielen unter Regie von Vasic noch immer keinen einzigen Punkt geholt hatte, kehrte sich das Problem um. Ist Vasic überhaupt zweitligatauglich?, lautete nun die Frage. Der mächtige Mann im Verein, Hauptsponsor Jochen Staake, gab die Antwort: nein. Der Fußball-Zweitligist handelte. Mitte November übernahm Willi Reimann das Training der Eintracht – als vierter Coach in dieser Saison nach Michael Krüger, Willi Kronhardt und eben Vasic. Reimanns komplizierter Auftrag lautet: Klassenerhalt.

Reimann ist nicht bange, die Vorgabe zu erfüllen: „In der Zweiten Liga sind die Mannschaften vom Niveau her ziemlich gleich. Wenn wir gut vorbereitet und gut motiviert in die Rückrunde gehen, können wir das noch packen.“ Nur: Eintracht Braunschweig, 1967 Deutscher Meister und erst vor zwei Jahren durch den Aufstieg in die Zweite Liga wieder mehr ins öffentliche Fußball-Bewusstsein gerückt, hat nur neun Punkte aus 17 Spielen geholt. Ungeachtet dessen schwört der neue Sportdirektor Manfred Aschenbrenner den Verein darauf ein, „das fast Unmögliche, das Wunder von Braunschweig“ zu schaffen.

Reimann spricht von „einem schwierigen Umfeld“, will das aber nicht näher erläutern. Doch es liegt auf der Hand: Braunschweig litt in dieser Saison unter beträchtlichen Turbulenzen. Trainer Michael Krüger war nach sechs Spieltagen erstes Opfer der sportlichen Misere, mit ihm musste in einem Abwasch auch Manager Wolfgang Loos gehen.

Auf Loos folgte ein gewisser Dr. Rolf Dockter. Ihm wurde die Aufgabe anvertraut, den neuen Trainer zu suchen. Dockter ließ alte Kontakte aufleben, fragte beim TuS Koblenz und dessen Trainer Milan Sasic an. Von Sasic zu Vasic war der Weg nicht weit: Sasic empfahl den beim SV Wehen beschäftigten jugoslawischen Landsmann Vasic. Eintracht griff zu, und zwar gleich richtig: Vasic wurde mit einem Vertrag bis Juni 2009 fürstlich ausgestattet. Als Vasics Scheitern feststand, kam auch Eintracht-Präsident Gerhard Glogowski ins Schlingern. Die „Braunschweiger Zeitung“ berichtete, Glogowski sei von Jochen Staake weitgehend entmachtet worden, Staake leite nun selbst die Geschicke.

Der Sponsor gab das Geld, und die Eintracht holte in der Winterpause bisher ein halbes Dutzend neuer Spieler. Aschenbrenner behauptet: „Die Qualität insgesamt wurde angehoben.“ Mögliche Bedenken, dass erst zusammenwachsen muss, was da zusammengekauft wurde, teilt Trainer Reimann nicht. Er sagt: „Wenn eine Mannschaft in der Hinrunde nur neun Punkte holt, dann hat sie sich doch auch nicht gefunden. Deswegen gehen wir kein Risiko ein, wenn wir die Mannschaft jetzt neu formieren.“

Übrigens: Braunschweig, heute im Testspiel Gast des 1. FC Union (15 Uhr, Stadion Alte Försterei), verbuchte bisher erst einen Saisonsieg: ein 2:0 gegen 1860 München. Da war – zwischen Krüger und Vasic – gerade Willi Kronhardt Trainer. Es war Kronhardts einziges Spiel als verantwortlicher Coach.

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