Sport : Team Ullrich

T-Mobile präsentiert die Mannschaft für die Tour – und hat klare Vorstellungen von der Hierarchie

Hartmut Scherzer[Bonn]

Alexander Winokurow nuschelte ein paar Worte. Nur nicht zu laut, nur nicht zu forsch, schien sich der Kasache zu denken. „Die Tour de France für die Mannschaft zu gewinnen“, sagte er, „das ist das Ziel.“ Er sprach nicht explizit von Jan Ullrich. Insofern waren war dieser Satz einer der interessantesten bei der gestrigen Präsentation des T-Mobile-Teams vor der am 2. Juli beginnenden Tour de France. Es gehe um den Sieg für das neunköpfige Team, sagte Winokurow. Einige andere dagegen, die im Bonner Unternehmen etwas zu sagen haben, verbanden das erklärte Ziel Toursieg allein mit dem Namen Ullrich.

Dieser wirkte dann auch sehr entspannt bei seinem Auftritt. Braun gebrannt war er, er wirkte austrainiert und war bemüht darum, die ihm nachgesagte blendende Form und Verfassung auch zu belegen. „Die Vorbereitung war gut“, sagte Jan Ullrich. „Es sieht gut aus. Ich bin heiß darauf, dass es losgeht. Wir werden versuchen, Lance Armstrong zu schlagen. Deswegen auch diese Zusammensetzung der Mannschaft.“

Die Mannschaft saß gestern friedlich nebeneinander: Giuseppe Guerini, Matthias Kessler, Andreas Klöden, Daniele Nardello, Stephan Schreck, Oscar Sevilla, Tobis Steinhauser, Jan Ullrich und Alexander Winokurow. Erstmals seit zwölf Jahren fehlt das neben Jan Ullrich bekannteste Gesicht – das von Erik Zabel. Der Sprinter passt nicht mehr in das Konzept für die Tour, wurde erstmals seit zwölf Jahren nicht nominiert. „Erik Zabel hätte eine Nominierung verdient“, sagte Ullrich. „Aber die komplette Mannschaft wurde auf Gelb ausgerichtet.“ Und Team-Manager Olaf Ludwig sagte: „Die Linie ist ganz klar: Wir fahren um Gelb.“ Ludwig meinte damit: Wir fahren bei der Tour nicht ums Grüne Trikot, also um Sprintsiege.

Kurze Zeit später ergriff dann Teamchef Walter Godefroot das Wort und sagte: „Jan hat das größte Talent.“ Der 61 Jahre alte Belgier traut Ullrich nach 1997 den zweiten Gesamtsieg zu. Es wird die 32. und letzte Tour Godefroots sein. Natürlich wünscht er sich zum Abschied noch einmal einen Triumph der Mannschaft, die er seit 1992 so erfolgreich geformt hat. Jetzt werde er im Juli „mit Abstand ganz locker zuschauen“. Olaf Ludwig und Mario Kummer stünden nun in der Verantwortung – auch für die Hierarchie der drei Stars Ullrich, Winokurow und Andreas Klöden. „Alle drei sollten so lange wie möglich vorne sein“, sagte Walter Godefroot. Auch Alexander Winokurow würde für Jan „zur Verfügung stehen“. Umgekehrt hat Ullrich immer wieder betont, sich auch dem kasachischen Freund unterzuordnen, sollte der stärker sein. Klöden, der gestern 30 Jahre alt wurde, ließ indes keine Zweifel an seiner Rolle: „Ich helfe Jan.“

Jan Ullrich füllte gestern seine Rolle schon mal sehr souverän aus. Der Chef des Teams stellte die von ihm mitausgewählten Helfer vor, nannte deren Aufgaben und Stärken. So sei etwa Neuling Stephan Schreck „einer, der nie kaputtgeht“. Und so charakterisierte Jan Ullrich dann genüsslich jeden seiner acht Teamkollegen. Das hörte sich interessant und zuversichtlich an, ja, es klang sogar wie ein richtig guter Plan für die Tour de France – nach mehr allerdings auch nicht.

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