Sport : Teamgeist per Verordnung

Herthas Manager Hoeneß kündigt strenge Zeiten an

Stefan Hermanns,Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Zum Abschluss seiner eher bescheidenen Zeit bei Hertha BSC leistete sich Artur Wichniarek noch einmal einen großen Auftritt. Als der polnische Stürmer gestern vor der Kabine des Berliner Fußball-Bundesligisten vorfuhr, drückte er mehrmals auf die Hupe seines Autos. „Das ist die Weihnachtsüberraschung“, sagte Wichniarek zu seinem unerwarteten Erscheinen. Allerdings wird er wohl nicht mehr lange bei Hertha bleiben. Manager Dieter Hoeneß berichtete, dass er Wichniarek und dessen Beratern bereits am Heiligen Abend einen unterschriftsreifen Auflösungsvertrag vorgelegt habe. „Es waren schwierige Gespräche“, sagte Hoeneß. „Aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass innerhalb dieser Woche noch eine Entscheidung fällt.“

Die Entscheidung soll so aussehen, dass der Pole den Verein verlässt. Wichniarek wird deshalb, anders als seine Kollegen, die gestern die Vorbereitung auf die Rückrunde begannen, vorerst nicht bei Hertha trainieren. Er soll sich nicht noch eine Verletzung zuziehen, die alle Wechselpläne wieder über den Haufen würfe. Wichniarek sagt: „Ich muss nur unterschreiben.“ Allerdings werde er das erst tun, wenn er auch die Zusage eines neuen Klubs habe. Das heißt: „Es kann sein, dass ich in zwei Tagen wieder hier trainiere.“

Für Hertha muss sich das wie eine Drohung anhören. Der Verein hat mit dem Stürmer längst abgeschlossen. Die beiden Fragen, zu denen sich Herthas Spieler über Weihnachten schriftlich äußern sollten, hätte Wichniarek entsprechend bündig mit „Nichts“ beantworten können: „Was bedeutet Hertha für mich?“ und „Was kann ich persönlich tun, damit es Hertha in Zukunft besser geht?“ Der Rest der Belegschaft musste sich etwas mehr einfallen lassen. Malik Fathi brachte gestern ein mehrseitiges, handgeschriebenes Elaborat in einer Klarsichthülle mit.

Eigentlich sollte die Maßnahme geheim bleiben, die Hoeneß nach dem Pokal-Aus beim FC St. Pauli verhängt hatte. Herthas Manager äußerte trotzdem seine Verwunderung über die öffentliche Verwunderung, die er mit seiner Idee ausgelöst hatte. „Das ärgert mich wirklich“, sagte er zu hämischen Kommentaren. Es sei doch normal, dass sich die Spieler auch in der trainingsfreien Zeit mal mit ihrem Beruf beschäftigten. Auch zwei Wochen nach der Niederlage beim Regionalligisten St. Pauli war ihm die Verstimmung noch anzumerken. In seiner ersten Erregung hatte Hoeneß sogar das Vertragsangebot an Josip Simunic zurückgezogen – der Kroate hatte gegen St. Pauli wegen einer Verletzung allerdings gar nicht gespielt.

Hoeneß’ Ankündigung war daher wohl eher als Ausdruck seiner allgemeinen Unzufriedenheit mit den letzten Wochen vor der Winterpause zu verstehen. „Wir brauchten das Spiel nicht, um die Defizite zu erkennen“, sagte Herthas Manager. Allerdings hat es seine vorherige Einschätzung noch einmal deutlich bestätigt: „Bei Marcelinhos Tor zum 3:2 – da jubeln zwei Spieler. Normalerweise müsste da eine Traube auf dem Boden liegen.“

Hoeneß und Trainer Falko Götz wollen sich nun verstärkt der Verbesserung des Teamgeistes widmen. Herthas Manager kündigte strengere Vorgaben an die Mannschaft an, selbst ihre Lebensgewohnheiten betreffend. „Wir werden keinen Hokuspokus veranstalten“, sagte Hoeneß. „Es geht nur um kleine Details.“ 25 Minuten benötigte er anschließend, um auch die Mannschaft von diesen kleinen Details in Kenntnis zu setzen.

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