Sport : Tennis Borussia: Chronik eines Abstiegs

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18. November 1998: Trainer Hermann Gerland wird beurlaubt. Unter ihm war Tennis Borussia in der Saison 1997/1998 mit 32 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplazierten Dynamo Dresden in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Gerland wollte sich nicht dazu drängen lassen, seinen Vertrag schon im November vorzeitig zu verlängern. Er hatte sich stattdessen Bedenkzeit bis zur Winterpause erbeten. TeBe war zum Zeitpunkt des Trainerwechsels Tabellenfünfter, nur zwei Punkte getrennt von einem Aufstiegsplatz.

11. Januar 1999: TeBe verkauft kurz vor Schließung der Transferliste Ilija Aracic für knapp eine Million Mark Ablöse an Hertha BSC. Aracic war bis dahin mit acht Saisontreffern erfolgreichster TeBe-Torschütze. Und blieb es sogar bis zum Saisonende. Als Nachfolger für Aracic verpflichtet TeBe für 2,8 Millionen Mark Ablöse den Norweger Geir Frigard vom Linzer ASK. Ein glatter Fehleinkauf, wie sich bald heraustellt.

23. März 1999: Nach Gerlands Beurlaubung wurde Stanislav Levy Cheftrainer bei den Tennis Borussen. Auf Geheiß der TeBe-Bosse muss Levy nach neun Spielen unter seiner Regie (4 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen) die Mannschaft am 23. März an Winfried Schäfer abgeben. Für dessen Verpflichtung hatten sich Erwin Zacharias und Jürgen Rinnewitz, beide seinerzeit im TeBe-Aufsichtsrat, stark gemacht. Der damalige TeBe-Präsident Kuno Konrad hatte sich gemeinsam mit Manager Jan Schindelmeiser um Frank Pagelsdorf bemüht, der zu dem Zeitpunkt beim Hamburger SV auf der Kippe stand. Bei Schäfers Amtsantritt ist TeBe Tabellenvierter. Schäfer setzt seinen Einstand mit einer 0:2-Heimniederlage gegen die Stuttgarter Kickers gleich gründlich in den Sand. Unter ihm gewinnt TeBe ohnehin in den restlichen elf Spielen der Saison nur noch drei Mal und sackt auf Platz sechs ab.

Mai/Juni 2000: Für 11,5 Millionen Mark aus dem Topf der Göttinger Gruppe kauft Winfried Schäfer sieben neue, zumeist erstliga-erfahrene Spieler ein. Eine echte Mannschaft wird nie daraus.

17. Januar 2000: Erwin Zacharias wird neuer Vereinsboss. Er löst Kuno Konrad ab. Konrad soll in der Winterpause intern die Ablösung von Schäfer gefordert haben. Zacharias stellt sich bedingungslos hinter Schäfer, befördert ihn sogar noch zum Sportdirektor. Manager Jan Schindelmeiser, der Schäfers Arbeit ebenfalls kritisch beurteilt, wird entmachtet. Schäfer nutzt seine Freiheiten. In immer kürzeren Abständen werden von ihm einstige Leistungsträgern wie Akrapovic und Copado suspendiert. Schäfer "dankt" Zacharias für das in ihn gesetzte Vertrauen, indem er die hochkarätig besetzte Mannschaft noch in Abstiegsgefahr bringt und am letzten Spieltag nur dank der Schützenhilfe anderer Klubs den Klassenerhalt schafft. Schäfers magere Bilanz: In den letzten zehn Saisonspielen glückt TeBe nur ein Sieg.

5. Juni 2000: Der DFB entzieht TeBe die Lizenz für die Zweite Liga wegen fehlender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Der Klub hatte eine vom DFB verlangte Bankbürgschaft nicht hinterlegt unter Hinweis auf die Vermögenslage der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die die Lizenz beantragt hatte.

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