Sport : Tennis: Erster Coup beim 13. Wüstentrip

Stefan Liwocha

Als Charles Pasarell vor ein paar Monaten geschäftlich in Las Vegas war, lief ihm durch Zufall Mike Agassi über den Weg. Der redselige Turnierdirektor von Indian Wells ließ es sich nicht nehmen, Agassi senior an ein Versäumnis seines Sohnes zu erinnern. "Andre hat immer noch nicht bei mir gewonnen", sagte Pasarell, "langsam läuft ihm die Zeit davon." Seit Sonntag ist das Thema tatsächlich vom Tisch. Bei seinem 13. Trip in die Wüste siegte Andre Agassi erstmals beim renommierten Hartplatzturnier und wunderte sich hinterher selbst, "warum es so viele Jahre gedauert hat". Schließlich habe er doch im Wüstenklima von Las Vegas mit dem Tennis begonnen. Sein erster Coup in Indian Wells war dabei umso wertvoller, weil Agassi ihn gegen seinen großen Rivalen Pete Sampras feierte. Im Finale zum Auftakt der Masters-Serie dominierte der Publikumsliebling mit akkuraten Grundschlägen und gewann 7:6 (7:5), 7:5, 6:1.

Für Agassi war es ein "unglaubliches Gefühl, ich genieße es jetzt mehr als früher", gestand der 30-Jährige, "es ist wunderbar, gegen Pete gut zu spielen und dann auch noch zu gewinnen." Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden amerikanischen Stars seit dem Halbfinale bei den Australian Open im vergangenen Jahr, als Agassi in fünf Sätzen gewann.

Auch wenn sich die beiden bereits zum insgesamt 30. Mal duellierten (Sampras führt in der Bilanz mit 17:13) - der Reiz am ungleichen Paar ist ungebrochen. Rund 16 000 Zuschauer strömten in den Tennis-Garden, um die Protagonisten eines Jahrzehnts zu erleben. Die Stimmungslage der Fans enthielt Freude und Wehmut zugleich. Denn der sportliche Evergreen geht wie ein erfolgreiches Broadway-Musical langsam dem Ende der Spielzeit entgegen. Der erste Akt liegt immerhin schon zwölf Jahre zurück. 1989 bei einem Sandplatzturnier in Rom standen sich die beiden Topspieler als Teenager erstmals gegenüber, Agassi triumphierte damals mit 6:2, 6:1. Seitdem hat der eine (Sampras) 13 Grand-Slam-Turniere gewonnen und einen neuen Rekord aufgestellt, der andere immerhin sieben.

Auch wenn Sampras, der gerade seine Zusage für das Turnier am Hamburger Rothenbaum gab, im Finale nicht zur Höchstform auflief, feierte er insgesamt ein gelungenes Comeback und räumte beim mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Turnier Patrick Rafter (Australien) und Jewgeni Kafelnikow (Rußland) aus dem Weg. Nach dem frühen Aus bei den Australian Open in Runde vier gegen seinen Landsmann Todd Martin und zwei Erstrunden-Niederlagen bei Turnieren in Memphis und Scottsdale arbeitete Sampras "sehr hart im Training", um wieder Anschluss an die Weltspitze zu finden. "Ich liebe Tennis", sagte der Ausnahmespieler, der sich trotz seiner 29 Jahre noch nicht zum alten Eisen zählt: "Andere große Athleten wie Jordan oder Gretzky haben auch bis 35 oder 36 gespielt. Ich denke, es liegen noch einige gute Jahre vor mir."

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