Tennis : Und was macht Anke Huber?

Für zwei Wochen ist Wimbledon der Mittelpunkt der Tenniswelt. Die Sportfans in Deutschland interessiert das nur mäßig. Sie zehren von der Vergangenheit.

Sven Malzahn
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Nostalgie: Eine "neue" Anke Huber würde dem deutschen Damen-Tennis gut tun. -Foto: ddp

BerlinDas Tennisturnier von Wimbledon hat begonnen. Noch vor einigen Jahren bedeutete das zwei Festwochen für alle Sportfreunde. Tennis stand in der Zuschauergunst gleich hinter Fußball. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Einer Umfrage der Sport+Markt AG zufolge sehen sportinteressierte TV-Zuschauer in diesen Tagen am liebsten Fußball, gefolgt von Autorennsport und Boxen. Danach kommen Skisport, Handball, Leichtathletik und Eiskunstlaufen. Erst an achter Stelle wird Tennis genannt. Ein Niedergang, der sich in den letzten Jahren kontinuierlich fortgesetzt hat.

Inzwischen werden auch Grand-Slam-Turniere nur noch von Spartenkanälen wie Eurosport und dem DSF gezeigt. Es braucht schon ein herausragendes Ereignis, damit die ARD ihr Programm ändert, Heribert Faßbender als Kommentator reaktiviert und ein Tennis-Match mit deutscher Beteiligung live überträgt.

Die Größen der 80er und 90er Jahre

Tennis gerät immer mehr ins Abseits. Die Stars des "weißen Sports" sind nicht die aktiven Profis, sondern die Helden der Vergangenheit: Boris Becker, Stefanie Graf, Michael Stich und Anke Huber - und die sind weiterhin präsent. Becker schwingt ab und zu immer noch den Schläger und zieht damit Zuschauermassen an; nebenbei turnt er mit schöner Regelmäßigkeit durch verschiedene Fernsehkanäle. "Unsere Steffi" bildet mit Andre Agassi das Traumpaar des Tennissports, führt ein glückliches Familienleben und kocht zwischendurch Nudeln. Und auch Michael Stich lässt sich immer mal wieder in einer Talkshow blicken und berichtet über seine Stiftung und darüber, dass er sich mit Boris eigentlich doch ganz gut versteht - oder doch nicht?

Vorbei sind die Zeiten, als sich deutsche Sportfans in den Tennis-Weltranglisten ebenso gut auskannten wie in der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Nicht nur die deutschen Spielerinnen und Spieler waren allgegenwärtig, auch die Konkurrenz gehörte zum "Sportinventar".

Da gab es "die Maschine" Ivan Lendl, den kühlen Schweden Stefan Edberg, das Aufschlagwunder Goran Ivanisevic oder den Auf-den-Ball-Prügler Jim Courier. Bei den Damen waren es die Kämpferin Arantxa Sanchez-Vicario, die schöne Gabriela Sabatini oder die laute Monica Seles.

Seien Sie ehrlich: Kennen Sie Novak Djokovic? Oder Anna Chakvetadze und Nicole Vaidisova? Das sind Spieler und Spielerinnen aus den aktuellen Top Ten. Die Namen sind nur eingefleischten Tennisfans vertraut; der Rest von uns zehrt noch von der Vergangenheit.

Tennis hat nicht an Attraktivität verloren

Dabei mangelt es dem internationalen Tennis nicht an herausragenden Figuren. Die Damen haben ihr Glamour-Girl Maria Scharapowa. Und anders als noch vor einigen Jahren Anna Kournikowa bestimmt Scharapowa nicht nur durch ihr Äußeres die Schlagzeilen, sondern gewinnt auch große Turniere. Die Belgierin Justine Henin und der Schweizer Roger Federer führen die Weltranglisten an, und gerade Federer kann Tennis wahrlich zelebrieren. Der 25-Jährige wurde drei Mal in Folge zum Weltsportler des Jahres gewählt und wird von vielen Experten als komplettester Tennisspieler bezeichnet, den man bisher gesehen hat.

Am sportlichen Spektakel kann es also nicht liegen, dass die Zuschauer in Deutschland dem Tennis den Rücken kehren. Offenbar braucht es Identifikationsfiguren aus dem eigenen Land, und diese Figuren müssen Erfolge vorweisen. Was Erfolg ist, haben wiederum Graf und Becker definiert. So unfair es auch ist, die heutigen Profis müssen sich immer wieder mit den Größen von einst vergleichen lassen und können dabei natürlich nur schlecht aussehen.

Talente und Problemfälle

Wie ist es wirklich um das deutsche Spitzentennis bestellt? Machen wir eine Bestandsaufnahme: Bei den Damen ist Martina Müller als derzeit 34. die bestplatzierte Deutsche in der Weltrangliste. Die 25-Jährige hat schon einige Male für Aufsehen gesorgt und Top-Ten-Spielerinnen besiegt. Als Nächste kommen zwischen den Plätzen 70 und 90 Angelique Kerber und Tatjana Malek, zwei Talente, die noch nicht einmal 20 Jahre alt sind. Julia Schruff und Anna-Lena Grönefeld wurde zwar schon häufiger großes Potenzial bescheinigt, aber beide finden sich derzeit nicht einmal unter den Top 100 wieder.

Bei den Männern ruhen die Hoffnungen seit Jahren auf Thomas Haas und Nicolas Kiefer. Man vergisst leicht, dass beide mittlerweile auch schon 29 Jahre alt sind. Sowohl Haas als auch Kiefer wird das Zeug zu einem absoluten Weltklassespieler nachgesagt. Beide hatten allerdings viel zu oft und viel zu lange mit Verletzungen zu kämpfen, als dass sie ihre Möglichkeiten einmal über einen längeren Zeitraum unter Beweis stellen konnten. Haas hat sich in der Rangliste immerhin auf Platz zehn halten können und gehört damit zweifellos zur Weltspitze. Zuletzt machte auch Philipp Kohlschreiber von sich reden. Nach seinem Turniersieg in München schoss er in der Weltrangliste nach vorn. Derzeit liegt er auf Platz 30, in Wimbledon flog er aber schon in der ersten Runde aus dem Turnier. Auch Florian Mayer und Benjamin Becker finden sich noch unter den Top 50 wieder. Völlig außer Form ist dagegen Rainer Schüttler, der momentan nur noch 135. ist.

Es gibt also Talente und Problemfälle. Besonders bei den Herren sind durchaus einige Protagonisten auszumachen, die auch mal für eine größere Überraschung gut sind. Aber einen Roger Federer haben wir eben nicht, und in nächster Zeit ist wohl auch kein Grand-Slam-Titel für einen deutschen Spieler zu erwarten. Der Knoten will ganz einfach nicht platzen; und wenn er mal zu platzen scheint, dann stellt sich keine Konstanz in den Leistungen ein. Die deutschen Fans haben sich offenbar damit abgefunden. In unserer Umfrage "Überstehen deutsche Spieler die erste Wimbledon-Woche?" antworten rund zwei Drittel der Leser mit "Nein" (Stand: 26.6.).

Ist das deutsche Tennis damit schon in einer Krise? Das hängt vom Anspruchsdenken ab. Wer nur Titel zählt, wird noch eine Weile nach neuen Grafs und Beckers Ausschau halten müssen. Man kann aber auch als Tennisstar in guter Erinnerung bleiben, ohne ein ganz großes Turnier gewonnen zu haben.

Anke Huber geht's gut

Was macht denn nun eigentlich Anke Huber? Die ehemalige Weltranglisten-Vierte ist seit einigen Jahren mit dem Fußball-Spielerberater Roger Wittmann liiert, der ganz nebenbei Schwager des früheren Fußball-Nationalspielers Mario Basler ist. Auch Huber hat gelegentlich noch öffentliche Auftritte; im Frühjahr saß sie beispielsweise in der Jury bei der Wahl zur Miss Germany 2007 - zusammen mit Claudia Kohde-Kilsch (Erinnern Sie sich?). Sie hat übrigens auch sonst viel zu tun: Anke Huber ist inzwischen zweifache Mutter.

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