Testspiel : Hertha null null

39 Tore in 34 Bundesligaspielen waren schon vergangene Saison ein Beleg für einen lauen Hertha-Angriff. Die Berliner treffen auch in der Vorbereitung für die neue Spielzeit nicht

Claus Vetter
Favre
Lucien Favre -Foto: dpa

Stegersbach/Berlin Natürlich sind Testspiele im Fußball nicht immer Gradmesser für den tatsächlichen Leistungsstand einer Mannschaft. Schließlich wird im Trainingslager Kondition gebolzt, so dass die Spieler dann in einem Spiel auch schon mal müde sind. Das könnte als Entschuldigung dafür herangezogen werden, dass sich die Profis von Hertha BSC in ihrem Trainingslager im österreichischen Stegersbach geweigert haben, den Ball gegen höherklassige Teams ins Tor zu befördern. Am Mittwoch spielte der Berliner Fußball-Bundesligist 0:0 gegen Hapoel Tel Aviv, am Sonnabend nun torlos gegen FC Kopenhagen. Nach dem letzten Test vor dem Uefa-Cup-Qualifikationsspiel am Donnerstag gegen den moldawischen Erstligisten Nistru Otaci lässt sich bei Hertha feststellen: Die Abwehr steht, der Sturm steht auch – meist im Abseits.

Müde vom vielen Zirkeltraining? Nein, sagte Trainer Lucien Favre am Sonntag nach dem 0:0 gegen den dänischen Erstligisten. „Wir machen zu wenig aus unseren Chancen.“ Er erwarte „mehr Mut im Strafraum“. Taktisch sei er mit dem Auftreten in der Vorbereitung ja ganz zufrieden gewesen, aber es hätten eben die Tore gefehlt – das 7:0 im Spiel gegen den österreichischen Viertligisten SV Thal wollte Favre in seiner Rechnung zu Recht nicht berücksichtigen.

39 Tore in 34 Bundesligaspielen waren schon vergangene Saison ein Beleg für einen lauen Hertha-Angriff. In Stegersbach war das Torschusstraining dann auch wichtiger Bestandteil des Übungsalltags, doch schon vor der Heimreise nach Berlin am Mittwoch ist klar, dass Hertha in der Offensive zu dürftig besetzt ist. Der noch nicht so recht überzeugende Brasilianer Raffael hinter dem allein gelassenen Marko Pantelic, die Tristesse im Mittelfeld mit den glücklosen Spielern Fabian Lustenberger oder Gojko Kacar – das wird nicht für ein offensives Feuerwerk reichen.

Abwehrspieler Sofian Chahed sagt denn auch: „Wir müssen noch den einen oder anderen mit Offensivdrang verpflichten.“ Das versucht Dieter Hoeneß in Brasilien. Wobei der Manager aber Testspielergebnisse nicht überbewerten will – davor warnte er schon voriges Jahr nach einem Spiel gegen HNK Rijeka. Daraus könne man nicht viel ableiten, sagte Hoeneß damals in Stegersbach – obwohl Herthas Angriffsprobleme kaum zu übersehen waren und sich das Ergebnis gegen Rijeka als programmatisch für die Saison erweisen sollte: Das Spiel endete 0:0. Claus Vetter

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