Sport : Teure Matchbälle

Der SCC muss für die nächste Runde im Volleyball-Europapokal noch Geld auftreiben

Karsten Doneck

Berlin. Anderen hätten die Knie geschlottert. Oder sie hätten Schweißausbrüche bekommen. Eugen Bakumovski jedoch genoss die Situation. Für ihn war es „ein schönes Gefühl“, wie der 22-Jährige hinterher sagte. 14:12 führte der SC Charlottenburg im Tiebreak des letzten Satzes gegen Piet Zoomers Apeldoorn. Und Bakumovski schlug für den SCC auf. Matchball – alle Augen in der Sömmeringhalle waren auf ihn gerichtet. Bakumovski schlug die Aufgabe hart und präzise übers Netz, der Annahmeversuch auf der Gegenseite misslang gründlich, die Charlottenburger hatten im Top-Team-Cup gegen die zuvor übermächtig scheinenden Holländer mit 3:2 gewonnen. Mit viel Beifall bedankten sich die über 1000 Zuschauer für die gute, spannende Unterhaltung, die SCC-Spieler lieferten Freudentänze als Zugabe.

„Das war ein ganz wichtiger Baustein für den weiteren Saisonverlauf, gut für das Selbstvertrauen“, sagte Betreuer Günter Trotz. Das Erreichen des Viertelfinales im Top-Team-Cup liegt für den SCC bei zwei noch ausstehenden Spielen greifbar nahe. Grund genug für Günter Trotz, schon mal von einem plötzlichen Ausbruch von Volleyball-Euphorie in der Stadt zu träumen. „Keine Frage: Am nächsten Mittwoch in Ungarn müssen wir unbedingt gewinnen, dann haben wir am 22. Januar gegen Skopje ein echtes Endspiel. Und da haben wir dann die Halle voll“, sagt Trotz. Der kommende Gegner, Dunaferr Dunaujvaros aus Ungarn, war bisher in der Gruppe zwei nur Punktelieferant, mit Apeldoorn und Skopje MKD streitet der SCC um die beiden zum Weiterkommen berechtigenden Gruppenplätze.

Doch die Vorfreude auf das Viertelfinale ist nicht ganz ungetrübt. Ist die Teilnahme am Europapokal für den SC Charlottenburg schon jetzt ein Zuschussgeschäft, das mit rund 50 000 bis 60 000 Euro im Etat zu Buche schlägt, so kämen in der nächsten Runde noch einmal Kosten von 7000 bis 8000 Euro hinzu, „und zwar als Minimum, je nachdem, wie weit wir reisen müssen“, sagt Kaweh Niroomand, der Manager. Und während die Europapokal-Vorrunde schon in den rund 600 000 Euro umfassenden Saisonetat des SCC eingeflossen ist, muss der Verein das Geld, das im Falle des Weiterkommens benötigt wird, erst noch auftreiben, irgendwie, irgendwo. „Ein konservativ handelnder Kaufmann würde vielleicht sagen, so könne es nicht weitergehen. Ich sehe das aber gelassener“, sagt Niroomand. Aber das große Wehklagen setzt beim SCC ohnehin nicht ein. „So ein Spiel wie gegen Apeldoorn ist für die Weiterentwicklung der Mannschaft enorm wichtig“, sagt Niroomand.

Es könnte also teuer werden, wenn Eugen Bakumovski weiter mit solcher Kaltschnäuzigkeit wie gegen Apeldoorn die Matchbälle verwandelt. „Das ist mir schon im Bundesligaspiel in Mendig genauso geglückt. Vielleicht wird das ja zur Tradition“, sagt Bakumovski und lächelt verschmitzt.

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