Sport : Thomas Doll reist in der Zeitmaschine

HSV-Trainer empfiehlt Beinlich für Nationalelf

Karsten Doneck

Hamburg - Sein Aufgabenbereich war vielschichtig. Vor der eigenen Abwehr sollte er die Angriffe des Gegners abblocken. Er sollte aber auch in Vertretung des verletzten Rafael van der Vaart die Freistöße schießen und nebenbei eine Führungsfigur sein für die jüngeren Spieler. Stefan Beinlich vom Hamburger SV erledigt solche Aufgaben routiniert. Gegen Hertha BSC lieferte er seine Bravourstücke bei den Standardsituationen – sonst van der Vaarts Spezialität: Das 1:0 bereitete er mit einem Eckball vor, bei einem seiner Freistöße eine Viertelstunde später klatschte der Ball vom Pfosten ins Feld zurück. „Rafael war verletzt“, sagte Beinlich nachher, „da musste ich ja etwas mehr tun.“

Beinlich gehörte zu den Besten beim HSV. Er hatte von allen Hamburgern die meisten Ballkontakte: exakt 68 in 90 Minuten. Aber Beinlich ist 33. Seine aktive Laufbahn neigt sich dem Ende zu. „Ich würde ihn ja gerne noch mal in so eine Zeitmaschine reinhauen“, scherzt HSV- Trainer Thomas Doll, der Zaun an Zaun mit Beinlich im schleswig-holsteinischen Quickborn kurz hinter Hamburg wohnt. Nicht nur der guten Nachbarschaft wegen soll Beinlichs zum Saisonende auslaufender Vertrag beim HSV bald verlängert werden. „Wir wollen ihn weiter bei uns sehen“, sagt Doll, verweist aber darauf, dass Vertragsverlängerungen in die Zuständigkeit von HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer fallen. „Stefan ist zu einem unheimlich wichtigen Bestandteil der Mannschaft geworden. Das beflügelt ihn“, sagt Beiersdorfer. Dass Beinlichs Arbeitsverhältnis mit dem HSV bis zum 30. Juni 2007 verlängert wird, gilt als so gut wie sicher.

Doch in Hamburg denken sie im Falle Beinlich längst einen mächtigen Schritt weiter. Der Mittelfeldspieler hat inzwischen seine Fürsprecher, wenn es um seine Rückkehr in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft geht. Einer dieser Fürsprecher ist Thomas Doll. „Wenn man sich Gedanken um Mehmet Scholl macht, dann sollte man auch über Stefan Beinlich nachdenken“, sagt Doll, „der Stefan kann schließlich auf fast jeder Position spielen.“

Beinlich hat bisher fünf Länderspiele bestritten, das letzte vor fünfeinhalb Jahren gegen Spanien (4:1). „Wenn der Bundestrainer auf die Idee käme, mich gebrauchen zu können, würde ich sicher nicht Nein sagen“, hat Beinlich unlängst der verraten.

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