Thomas Schaaf, Werder Bremen : "Wir haben immer nach vorn geschaut"

Thomas Schaaf, Trainer von Werder Bremen über seine Mannschaft und die Rückkehr zum Erfolg.

Frank Heike
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Foto: dpadpa

Herr Schaaf, warum spielt Werder Bremen in der Bundesliga wieder oben mit?



Wir haben über all die Jahre immer wieder besondere Spieler abgegeben. Es hieß dann: Wie soll es nur weitergehen bei Werder Bremen? Frings, Ailton, Krstajic, Klose, Ismael, Micoud, Diego. Wir haben immer nach vorn geschaut. Es hat uns immer ausgezeichnet, dass wir diesen Spielern vertrauen. So ist es auch dieses Jahr.

2009 war trotz der Erfolge ein Jahr der Negativschlagzeilen. Ivan Klasnic klagte gegen Werder, Klubchef Jürgen L. Born trat zurück, Claudio Pizarro stand unter dem Verdacht der Geldwäsche. Am Saisonende stand Werder auf Platz zehn in der Liga.

Durch negative Schlagzeilen ist viel Positives vernichtet worden. Das finde ich schade. Diese erfolgreichen Spiele gegen den HSV, das waren absolute Topspiele auf unglaublich hohem Niveau. Aber das hat sehr viel Substanz gekostet. Hätten wir ein Spiel mehr gewonnen, gegen Donezk im Uefa-Pokal-Finale, wäre es die erfolgreichste Saison gewesen, die Werder Bremen je gespielt hat.

Hätten Sie erwartet, dass Werder so gut in diese Saison findet?

Von außen wurde nur gesehen, dass wir Diego verloren haben. Marko Marin haben viele nicht so viel zugetraut. Bisher war er in jeder Partie dabei. Ganz wichtig war, dass Claudio Pizarro bei uns geblieben ist und wir Marin und Borowski haben. Wir hätten gern den einen oder anderen Spieler mehr gehabt. Das ist wirtschaftlich aber leider nicht alles umsetzbar. Dafür haben wir jetzt einige in voller Qualität, die zuletzt nicht am Limit waren.

Sie meinen Sebastian Boenisch, Clemens Fritz und Aaron Hunt.

Sebastian Boenisch ist 22 Jahre alt. Dass er Schwankungen hat, ist normal. Aber das wird heute nicht mehr akzeptiert. Clemens Fritz ist älter, aber auch ihm ist viel passiert. Mit seinen jetzigen Leistungen ist er ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Aaron Hunt kenne ich seit der B-Jugend, er ist acht Jahre bei Werder. Er ist immer wieder gestört worden in seiner Entwicklung. Jetzt erlebt er es gerade, sich konstant einzusetzen. Und auf einmal ist die Fußball-Öffentlichkeit überrascht über seine Leistungen. Übrigens genau wie bei Mesut Özil. Für uns sind das keine Überraschungen.

Wie will sich das kleine Werder Bremen dauerhaft oben halten?

So klein sind wir nicht. Bei uns gibt es einen anderen Weg: keinen Vorgriff auf etwas, was man noch nicht hat. Wir müssen Sponsoren finden, die nicht aus dem direkten Umkreis sind. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere sportlichen Ziele erreichen und so auf uns aufmerksam machen. Deswegen hat auch die Europa League einen hohen Stellenwert bei uns.

Sie sind im elften Jahr Cheftrainer. Nutzt sich die Beziehung Werder-Schaaf nicht ab?

Ich mag diese Diskussion nicht. Man kann mit mir über jeden Spieler diskutieren, seine Stärken und Schwächen. Aber diese Abnutzungsdebatte – das ist Stammtisch.

Sie kam auf, als es bei Werder in der Liga schlecht lief und Wolfsburg um Sie warb. Gab es ein Angebot?

Ich möchte nicht mit Ihnen darüber reden, welche Angebote ich wo her habe. Es gibt Interesse an mir. Hat es schon öfter gegeben, wird es weiter geben, weil ich glaube, dokumentiert zu haben, dass ich einige Dinge ganz gut mache.

Was treibt Sie im elften Jahr an?

Für mich zählt immer noch am meisten, interessanten Fußball anzubieten. Außergewöhnliches aufzuzeigen, die Fans zu begeistern. Das wird immer unser Anspruch sein. Für mich persönlich: Wenn ich die jungen Burschen hier sehe – die Arbeit mit Menschen, mit Jugendlichen, das macht mir Spaß. Wenn ich sehe, wie einer intensiv an seinem Fortkommen arbeitet und es ihm gelingt, da freue ich mich innerlich.

Thomas Schaaf, 48, ist seit 1999 Trainer von Werder Bremen. Seine Mannschaft gewann 2009 den DFB-Pokal und empfängt am Samstag in der Bundesliga Meister Wolfsburg.

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