THW Kiel : Rückkehr unter Betrugsverdacht

Der unter Betrugsverdacht stehende ehemalige Manager Uwe Schwenker arbeitet offenbar an seiner Rückkehr zum Handball-Bundesligisten THW Kiel. Von der Tribüne aus beobachtet er den Klub noch immer ganz genau.

Erik Eggers
Er war nie weg. Uwe Schwenker hat noch eine Dauerkarte beim THW Kiel. Daraus könnte auch wieder mehr werden. Foto: picture alliance / dpa
Er war nie weg. Uwe Schwenker hat noch eine Dauerkarte beim THW Kiel. Daraus könnte auch wieder mehr werden.Foto: picture alliance / dpa

Seinen angestammten Platz hat er nie verlassen, noch immer sitzt Uwe Schwenker an Spieltagen im Block E3 der Kieler Arena. Während 10 000 Fans die Treffer des THW Kiel bejubeln, registriert der 51-Jährige konzentriert jede Regung auf dem Parkett. Mit diesem kühlen Scanner-Blick hat er schon zwischen 1993 und 2009, als er den THW Kiel als Geschäftsführer zum erfolgreichsten deutschen Handballklub modellierte, jedes Detail aufmerksam aufgesogen. Noch heute schaut er so, als sei dies seine Mannschaft. Und das könnte auch bald wieder so sein.

Offiziell hat er mit dem THW nichts mehr zu tun. Seit den Manipulationsvorwürfen, die im März 2009 öffentlich wurden und ihn im Juni den Posten des Geschäftsführers kosteten, hat er seine Privilegien verloren. Zwei Freikarten hat er zwar auf Lebenszeit erhalten. Aber vor der Saison 2009/10 ließ ihn die neue Klubführung wissen, er sei im Vip-Bereich, den er selbst initiiert hatte, nicht gern gesehen. Im Sommer musste er beim Klub um einen Parkplatz vor der Halle kämpfen.

Noch immer ist das Strafverfahren gegen Schwenker und den ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic anhängig. Aktuell prüft die 5. Große Strafkammer des Landgerichtes Kiel, ob ein Prozess wegen Betruges sowie wegen des Verdachts der Untreue gegen beide Beschuldigte eröffnet wird; eine Entscheidung darüber rücke näher, heißt es beim Landgericht. Im Kern geht es um den Verbleib eines Betrages von rund 153 000 Euro, mit denen zwei polnische Schiedsrichter vor dem Champions-League-Finale 2007 gegen Flensburg bestochen worden sein sollen. Alle Beschuldigten bestreiten das.

Im Fall einer Vorstrafe wäre eine Rückkehr für Schwenker in das große Handballgeschäft unmöglich; auch seine zweite berufliche Existenz als Chef einer Versicherungsfiliale wäre dann in Gefahr. Was aber passiert, wenn Schwenker ungeschoren davonkommt? Gibt es dann ein Comeback des einstmals einflussreichsten Funktionärs des europäischen Handballs?

Bevor Schwenker 2009 zurücktrat, sollen Gesellschafter und der Wirtschaftsbeirat eine Ehrenerklärung abgegeben haben, wonach er für den Fall, dass sich die Vorwürfe nicht bestätigten, wieder Geschäftsführer des THW werde. So stellen es diejenigen dar, die Schwenkers Nachfolger Uli Derad für inkompetent halten und gern wieder alte Verhältnisse hätten. Andere Beteiligte erklären, dies sei blanker Unsinn. Und ein drittes, neutrales Lager erklärt, Schwenker sei damals lediglich zugesichert worden, mit ihm „über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu sprechen“. Keiner der Beteiligten möchte seinen Namen im Zusammenhang mit dem Thema in der Zeitung lesen.

THW-Aufsichtsratschef Klaus-Hinrich Vater will diese Ehrenerklärung nicht kommentieren. Der Aufsichtsrat beschäftige sich „gar nicht“ damit, lässt der neue starke Mann des THW wissen. Dass Vater eine Rückkehr Schwenkers verhindern will, daran lässt er jedoch keinen Zweifel: „Ich finde, alle Positionen beim THW sind gut besetzt“, sagt er. Noch im Sommer 2009 hatte er eine Zusammenarbeit mit Schwenker nicht ausgeschlossen.

Es gibt Beobachter in Kiel, die zu wissen glauben, dass Schwenker bereits an seiner Rückkehr arbeite und Klubchef Vater sich vor den Volten des Ex-Managers fürchte. Nur so sei zu erklären, dass sich der THW von Pressesprecher Björn Goos getrennt habe, der Schwenker zu nahe gestanden haben soll. Sollte das ein Kündigungsgrund beim THW sein, dann müsste sich allerdings auch Trainer Alfred Gislason vor einem Rausschmiss fürchten. Der 51-Jährige macht keinen Hehl aus seiner Loyalität zu Schwenker, der ihn 2008 nach Kiel lotste. „Uwe ist mein Freund“, sagt er. Das Votum des Trainers könnte den Machtkampf am Ende entscheiden. Gislasons Status im Klub ist nicht hoch genug einzuschätzen; spätestens seit dem Champions-League-Sieg 2010 wird der Isländer in Kiel als Volksheld gefeiert.

Schwenker will sich zu den Spekulationen nicht äußern. Den „Kieler Nachrichten“ sagte er nur, dass er gute Verbindungen zu verschiedenen Klubs pflege, national wie international: „Ich war nie wirklich weg.“ Dem Gerücht, er könne beim Bundesligisten Wetzlar neu beginnen, hatten diejenigen, die seine Mentalität kennen, ohnehin keinen Glauben geschenkt. Für sie steht fest: Schwenker will zurück auf seinen Posten beim THW Kiel.

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